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Die wissenschaftstheoretischen Debatten des letzten Jahrhunderts führten u.a. zu der Erkenntnis, dass nur wissenschaftliche Hypothesen, nicht aber Theorien als ganze geprüft werden. Theorien bestehen aus einem theoretischen Strukturkern und einem paradigmatischen empirischen Anwendungsbereich, die auf Setzungen beruhen und sich der empirischen Überprüfung entziehen. Dieses inzwischen allgemein akzeptierte naturwissenschaftliche Modell wird auf die Psychoanalyse übertragen. Auch die Struktur der psychoanalytischen Wissenschaft besteht aus einem theoretischen Strukturkern und einem empirischen Anwendungsbereich. Der theoretische Teil wird als das dynamisch Unbewusste ausgewiesen, das implizit zu definieren ist, der empirische Teil als die psychoanalytische Situation. Um diese duale Kernstruktur gruppieren sich die analytischen Spezialgebiete mit ihren je eigenen Methoden, Begrifflichkeiten und Forschungen. Hier sind Hypothesenprüfungen möglich. Die Psychoanalyse stellt einen eigenen Wissenschaftstyp dar. Sie hat mit komplex-dynamischen psychischen Prozessen zu tun, die selbsterzeugend organisiert sind und paradoxale Momente beinhalten. Der kumulative Wissenszuwachs und die Diversifizierung der Psychoanalyse in Spezialgebiete sind beeindruckend. Dennoch hat sich der Strukturkern der psychoanalytischen Wissenschaft in den letzten 110 Jahren in seiner identitätsstiftenden und Kontinuität erzeugenden Qualität bewährt.