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Am 12. Juni 2012 ist Margarete Mitscherlich im Alter von 94 Jahren verstorben. Sie war eine große und mutige Psychoanalytikerin, die die PSYCHE über lange Jahrzehnte sehr erfolgreich gestaltet hat.
Psychoanalyse war für sie eine klinische Methode, aber stets auch ein Instrument gesellschaftlicher Aufklärung. Die Psychoanalyse, wie sie sie von den zu Besuchen zurückgekehrten emigrierten Psychoanalytikern hierzulande und dann bei ihren zwei Aufenthalten in London vermittelt bekam, wurde für sie zu einer enormen Bereicherung und einer »wesentlichen Denkalternative«. Die in London gewonnene psychoanalytische Kompetenz half ihr, die psychoanalytische Ausbildung am Sigmund-Freud-Institut leitend mitaufzubauen. Von 1962 bis 1980 war sie Mitglied des zentralen Ausbildungsausschusses der DPV.
Die zwei Kulturen, in denen sie aufgewachsen war, ermöglichten ihr, auf die deutschen Verhältnisse einen Blick von außen zu werfen und die hiesigen Denk- und Verhaltensweisen kritisch zu durchdringen. Die Diagnose der Unfähigkeit zu trauern erwies für sie immer wieder ihre fortbestehende Gültigkeit. Sie war ein Schlüssel, um gesellschaftliche und politische Vorgänge in der Bundesrepublik mit ihrer Verdrängung und Verleugnung der NS-Vergangenheit in der Tiefe zu verstehen. In all den Jahren war Margarete Mitscherlich zu einer öffentlichen Stimme geworden, die daran erinnerte, dass die Auseinandersetzung mit der Barbarei des Nationalsozialismus kein Ende finden darf. Immer wieder bestand sie darauf, dass diese Auseinandersetzung einer Folge von Erkenntnisschritten der Selbsterforschung bedarf: Erinnern, gefühlsmäßiges Wiederholen und Durcharbeiten. Ohne innere Wiederbelebung der damaligen seelischen Erlebnisweisen und ohne ein erneutes Durcharbeiten des Verhaltens gebe es keine Fähigkeit zu trauern.
Durch ihre Psychoanalyse der Weiblichkeit brachte sie in die Frauenbewegung die aufklärerischen Potentiale einer kritischen, nicht von männlichen Vorurteilen geprägten Psychoanalyse ein. Zur »Müh