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Dem Autor geht es um eine Standortbestimmung der Psychoanalyse, nachdem ihre große Zeit, »Freuds Jahrhundert« (Zaretsky), vorbei zu sein scheint. Zunächst wird dargestellt, welche Bedeutung Freuds Denken für den Umgang mit einer Reihe grundlegender Veränderungen des sozio-kulturellen Felds Anfang des 20. Jahrhunderts hatte, wodurch die Psychoanalyse zu einer der das Jahrhundert prägenden Theorien werden konnte. Sie ist aber mehr als ein historisch bedeutsames, sich klinisch weiter entwickelndes Reflexions- und Praxisprojekt, vielmehr lässt sie sich als kritischer Humanismus verstehen. Nach dem Übergang von der »Festen« zur »Flüchtigen Moderne« (Bauman) hundert Jahre später haben sich die sozio-kulturellen Fragestellungen grundlegend verändert, und es gibt in vielen Bereichen fundamentale Differenzen zu psychoanalytischen Vorstellungen. Die Psychoanalyse ist aber nur scheinbar veraltet (Marcuse), ihre Aktualität in der Flüchtigen Moderne besteht in ihrer spezifischen Unzeitgemäßheit. Eine Kultur, die Selbsterforschung nicht durch Selbstreparatur ersetzen will, bleibt auf die Psychoanalyse angewiesen.