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Virtualität als das eigentlich Mentale und damit Menschliche ist von den artifiziellen Präsenzen der hyperindustriellen Virtualitätsproduktion zu unterscheiden. Mentalisierung als aufsteigende Re-Präsentation bedarf anstelle adhäsiver Verklebungen mit künstlichen Medien des verstehenden Anderen im diffizilen Zusammenspiel von Präsenz und Absenz. Von unseren mikroelektronischen, sensorisch kodierten, schnellen, im Präsentismus der Bilder vergleichzeitigten Lebenswelten wird der Subjektstatus affiziert. Gesundheitsreports, Aufmerksamkeitsdefizite und manche kinderpsychiatrische Störungsbilder legen nahe, dass diese Wirkung längst begonnen hat. In Gestalt elektronischer, performativer Bilder (besser: Visualitäten) mutiert das Bild wieder von einem Medium der Erinnerung zu einem Medium der Verkörperung. Manche audiovisuellen Bildakte legen dabei eine Konfusion von Körperbild und Bildkörper nahe. Mentalisierung tendiert zu einem Stopp: ikonisch repräsentiert, aber nicht symbolisiert; dabei wäre zwischen absentischer und präsentischer Symbolisierung zu differenzieren. Der medial-sensorische Präsentismus erschwert aber die capacity to be alone, stärkt das prozedurale Gedächtnis anstelle des deklarativen und bedingt eine Schieflage in Richtung der autistic contiguous position im Sinne eines emergierenden »sensoritären Charakters«. In der Kybernetisierung des in flüchtige zeichenreaktive Kontexte gezwungenen Subjekts kehren J. v. Uexkülls Merkwelten und Wirkwelten wieder, fallen Subjekt und Synapse im Grenzwert in eins.
Für Friedrich Kittler