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Mit Freuds Jahrhundertwerk Die Traumdeutung erschien eine völlig neue Sicht des Traumes und seiner Deutung auf der Bühne der damaligen Wissenschaft. Darüber hinaus hat Freud mit diesem Buch die Psychoanalyse selbst als eine neue Wissenschaft begründet. Die Philosophin Petra Gehring hat in ihrer Studie Traum und Wirklichkeit Freuds Werk folgendermaßen in die Wissenschaftsgeschichte eingeordnet: »Nicht nur durch das Erscheinungsdatum tritt die umfangreiche Arbeit als Jahrhundertwerk auf, sondern auch durch die tiefgreifende Kühnheit seines Ansatzes sowie durch die demonstrative Offenheit, mit welcher Freud sich selbst, seine eigenen Träume und sein eigenes Erleben zum Objekt seiner Forschungen macht. So etwas gab es in der Wissenschaftsliteratur noch nie« (2008, S. 146). Insgesamt acht Auflagen mit Zusätzen und Veränderungen erschienen bis 1930. Freuds Traumbuch ist bis heute eine unentbehrliche Lektüre für den Psychoanalytiker.
Für Freud hat der Traum eine doppelte Funktion: »er ist einerseits ichgerecht, indem er durch die Erledigung der schlafstörenden Reize dem Schlafwunsch dient, andererseits gestattet er einer verdrängten Triebregung die unter diesen Verhältnissen mögliche Befriedigung in der Form einer halluzinierten Wunscherfüllung« (1933a, S. 19). Auch die Angstträume widersprechen nicht dieser wunscherfüllenden Funktion. Das Wesentliche am Traum ist die Traumarbeit, die durch den unbewussten Primärprozess einen latenten Traumgedanken in einen manifesten Trauminhalt verwandelt, weil unbewusste Triebwünsche nicht unzensiert an der seelischen Oberfläche erscheinen dürfen. Nur die Assoziationen des Träumers führen zurück zum latenten Traumgedanken, der in den Assoziationen »wie in einer Mutterlauge enthalten« ist (S. 12).
1933 stellte Freud fest, dass das Interesse der Psychoanalytiker am Traum und an der Traumdeutung weithin erloschen sei (1933a, S. 7). Das mag zu dieser Zeit zugetroffen haben, hat sich aber zumindest seit den 1970er Jahren wieder verändert. Seit