You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Deutung der Träume war für Freud »die via regia zur Kenntnis des Unbewußten im Seelenleben« (GW 2/3, S. 613). Seine Traumforschung hob sich in zwei Hauptpunkten von der seiner zahlreichen Vorgänger ab: einmal durch das systematische und induktive Vorgehen, mit dem er diesem verwirrenden und irritierenden Bilderrätsel zu Leibe rückte; zum andern durch eine groß angelegte Theorie, in der die »unbewußte Wunscherfüllung«, die »Traumentstellung « durch die Zensur und die Mechanismen der »Traumarbeit« als wesentliche Verbindungsglieder fungieren, um die ins Bewußtsein tretenden Traumbilder aus hinter ihnen stehenden »unbewußten Gedanken« zu erklären.
Suchte Freud mit der ihm eigenen Leidenschaft eine originäre und innovative Konzeption der Traumdeutung zu entwickeln, so kam er jedoch nicht umhin, an frühere Forscher und Denktraditionen anzuknüpfen. Es tut seinen Verdiensten keinen Abbruch, wenn man die Traumdeutung nicht als einsame Genieleistung, sondern auch in einer - unumgänglichen - »Abhängigkeit« von den damaligen »Denkkollektiven« (L. Fleck) bzw. wissenschaftlichen »Diskursen« (M. Foucault) betrachtet.
In diesem Kontext sieht sich Stefan Goldmann, der Autor der vorliegenden Habilitationsschrift, mit dem folgenden Problem konfrontiert: »In der »Traumdeutung« ist die Traumwissenschaft des 19. Jahrhunderts aufgehoben, d.h. integriert, überwunden und zum Verschwinden gebracht. Was Freud der Tradition verdankt und welchen Abstand er zu ihr gewonnen hat, wird erst deutlich, wenn wir diese Tradition aus ihrem Schattendasein hervorziehen. Nach einhundert Jahren Wirkungsgeschichte der »Traumdeutung« steht diese Rekonstruktionsarbeit allerdings noch an ihrem Anfang« (S. 14).
Im ersten Kapitel der Traumdeutung hat Freud selbst die wissenschaftliche Literatur der Traumprobleme auf fast 100 Seiten durchgearbeitet, wobei er sich nicht historisch an Epochen, Forschergruppen oder Autoren, sondern an thematischen Aspekten wie der Beziehung des Traums zum Wachleben, dem Traummateri