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Stellen wir uns einen Moment lang zum Beispiel einen »Menschen des Mittelalters « (Jacques Le Goff) vor, und zwar im Hinblick auf seine Möglichkeit, Bilder anzuschauen. Hatte er diese Möglichkeit überhaupt? Vielleicht gab es in der Kirche seines Dorfes oder seines Quartiers ein Altarbild oder ein Apsisbild und, wenn es hoch kam, bildliche Darstellungen biblischer Geschichten an den Wänden der Kirche. Zugang zu Häusern oder Gebäuden, die möglicherweise Bildschmuck enthielten, hatte er in der Regel nicht. Ob er Natur, Landschaften, Gebäude, Ansichten seines Dorfes in unserem Sinne als Bilder wahrnahm, können wir nicht mit Sicherheit wissen. Was Landschaft angeht, auf Grund des vorherrschenden zeitgenössischen Naturverständnisses, eher nicht. Einfachheit oder gar Armut der Lebensumstände hieß auch immer Armut an Medien, den materiellen und zunehmend apparativen Trägern von Übermittlung und Darstellung. Heute ist, nebenbei gesagt, der Zusammenhang zwischen Armut der Lebensverhältnisse und Armut an Medien nicht mehr zwangsläufig. Über das Medium eines anderen Bereichs, zum Beispiel die Schrift, verfügte dieser »Mensch des Mittelalters« ebenfalls nicht. Das tat nur eine verschwindend geringe Minderheit der Menschen - Mönche und Schreiber (deren Herren das Medium ebenfalls nicht beherrschten). In Gestalt des nächtlichen Traums allerdings hatte unser mittelalterlicher Mensch eine unversiegliche Quelle von Bildern, die schon wegen der Häufigkeit ihres Auftretens eindrucksvoll waren. Und weil Träume häufig auch fremd, unzusammenhängend, ja bizarr sind, waren sie umso eindrucksvoller ängstigend und nach der Suche nach einer übernatürlichen Botschaft in ihnen verlangend. Heute sind wir von Bildern geradezu belagert angesichts der technischen Reproduktionsmöglichkeiten aller Bilder in allen Formaten und für alle Zwecke, angesichts der raffinierten Bildmedien, zunächst vor allem Film und TV, und mit der Möglichkeit der elektronischen Digitalisierung und Übermittlung von Bildern k