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Jan van Lohs luzide Untersuchung über das Phänomen des Chats erkundet ein in der psychoanalytischen Theorie bisher kaum begangenes Gebiet. Auf der Höhe einer Psychoanalyse im Hightech-Zeitalter (Friedrich Kittler) wagt es diese Arbeit, so gegensätzliche Theorien wie die Lacans und Balints auf ihren Gegenstand hin zu befragen, ohne vorschnelle Antworten zu geben. Die umfangreiche Konfrontation des psychoanalytischen Paradigmas der talking cure mit dem für den Chat entscheidenden Medium der Schrift erstreckt sich über insgesamt sieben Stationen und greift dabei neben Aspekten der Entwicklungspsychologie auch Fragen der Ethik im Zusammenhang mit den neuen Medien auf.
Im Anschluss an einen Überblick über das, was einen Chat als elektronisches Kommunikationsmedium von anderen Systemen auch technisch unterscheidet (E-Mail, Foren etc.), liefert das Buch einen Überblick des Forschungsfeldes, der im Hinblick auf die rasante Entwicklung der medialen Umwelt bereits ein wenig überaltert erscheint. So wird etwa auf Phänomene wie Facebook oder andere soziale Netzwerke, die zurzeit die Diskussion beherrschen, nicht eingegangen. Allerdings weist der Autor darauf hin, dass er gerade den spezifischen Bereich des Chats als Parallele zum Gespräch herausgreift und isoliert betrachtet, um sich der dort vorzufindenden schriftsprachlichen Situation mit einer oralsprachlichen psychoanalytischen Sitzung im Hinblick auf die Ontologie des Subjekts vergleichend anzunähern. Im Zuge einer sich anschließenden »Grundlagenarbeit« sucht Loh unter anderem bei Freud nach Hinweisen auf das Schriftmedium des Computers. Was zunächst absurd anmutet, führt zu der inspirierenden Erkenntnis, dass Freud zu einer Technologie - von der er freilich nichts wissen konnte - tatsächlich mehr zu sagen hatte, als wir uns heute möglicherweise vor Augen führen. Hier ist neben dem Ursprung der Psychoanalyse und der Freudschen Selbstanalyse im Zusammenhang mit den Fließ-Briefen, dem ebenfalls schriftsprachlichen Umgang mit