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In der Mitte des Buches findet sich ein ergreifendes Beispiel für Bohlebers Arbeitsweise. Er findet eine Deutung, die ihm aus keiner Theorie allein, sondern aus dem resonanten Bezug zu seiner Patientin zugespielt wird: »Ohne weiter darüber nachzudenken, sprach ich sie mit ihrem Vornamen an: »Das ist die kleine, bedürftige Lisa, die um die Liebe ihrer Mutter kämpft und stumm geworden ist.« Mir wurde augenblicklich klar, dass ich nun den Punkt gefunden hatte, den ich mehr oder weniger vorbewusst gesucht hatte: den Punkt, von dem aus ich dieses abgespaltene, dissoziierte, verstummte, bedürftige, angstvolle und kindliche Selbst affektiv erreichen konnte« (S. 162). Da ist kein Analytiker, der auf den steilen Meta-Klippen der Selbstreflexion herumturnt und sich, seine Gegenübertragung immer scharf im Blick, nach oben beamen möchte, um sich zur Superreflexion zu steigern, sondern da ist einer, der auf dem harten Boden klinischer Realitäten weiche Bedürftigkeit entdeckt und sich davon ergreifen lassen kann. Das zieht weniger nach unten, als dass es die tägliche Wahrheit guter analytischer Arbeit ausspricht: Vor dem Begreifen steht das Ergriffensein. Hier spricht einer in warmer Verbundenheit, »ohne weiter darüber nachzudenken«, und ihm wird erst im Nachhinein klar, dass er und was er gesucht hatte. Im Talmud heißt es, die Sehnsucht der Mutter zu stillen sei dieselbe wie der Wunsch des Kindes zu trinken.
Genauso spielt sich die Wahrheit der psychoanalytischen Erkenntnis ein, in jenen Augenblicken, die eine gewöhnliche Stunde zu einer »guten Stunde« werden lassen. Hier geschieht Resonanz, und das reflexive Bewusstsein würde eher stören. Freud hatte in »Das Unbewußte« schon gefordert, wir müssten lernen, »uns von der Bedeutung des Symptoms »Bewußtheit« zu emanzipieren« (GW 10, S. 291).
Bohleber legt ein Buch vor, das sich ganz offensichtlich das Ziel setzt, von solchen schwierig zu artikulierenden Dingen zu sprechen. Und das in einer Zeit, die von der Psychoanalyse Nachweise for