You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
The Tree of Life wurde 2011 die Goldene Palme von Cannes verliehen. Der von beeindruckenden Naturaufnahmen, aber auch von assoziativen Montagen und Glaubensfragen durchsetzte Film wurde von Kritikern und Festivalteilnehmern ambivalent aufgenommen. Der Autor und Regisseur des Films, Terrence Malick, war bei der Preisverleihung nicht zugegen. Er gilt in Filmkreisen schon zu Lebzeiten als eine Legende. Lange Zeit gab es so gut wie keine Fotografien von ihm. Bis heute hat er sich geweigert, Interviews zu geben und an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Der 1943 geborene Harvard-Absolvent und Doktorand für Philosophie in Oxford zog mit seinem ersten Film Badlands (USA 1973) die Aufmerksamkeit der Cineasten auf sich. Als das beste Filmdebüt seit Orson Welles Citizen Kane wurde das Werk mit Martin Sheen und Sissy Spacek in den Hauptrollen gepriesen. Nach seinem zweiten Spielfilm Days of Heaven (USA 1976), den er ausschließlich in der Abenddämmerung drehte, zog sich Malick für etwa zwanzig Jahre aus dem Filmgeschäft zurück. 1998 kam er mit dem beeindruckenden Antikriegs-film The Thin Red Line zurück und gewann mit ihm den Goldenen Bären in Berlin. In The New World (USA 2005) behandelte er sieben Jahre später auf eine nie gesehene Art und Weise die Unterwerfung der Ureinwohner Nordamerikas durch englische Einwanderer. Zurzeit arbeitet Malick, von dem man bisher lange Schaffenspausen gewohnt war, an zwei neuen Produktionen.
Anhaltspunkt für die Story von The Tree of Life ist der Architekt Jack (Sean Penn), der anlässlich des Todestages seines jüngeren Bruders inmitten von glatten und spiegelnden Bürogebäuden auf seine Kindheit im ländlichen Texas der 1950er Jahre zurückblickt. In seinen Erinnerungen ist er zwölf Jahre alt und der älteste von drei Brüdern. Die Konflikte und die Entwicklung, die er durchläuft, berühren manches Konzept der Psychoanalyse. Es geht um Rivalität mit dem jüngeren Bruder und um Todeswünsche. Es geht um das Wiedererwachen der Sexualität, die mit