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Der Autor ist der psychoanalytischen Szene durchaus ein Begriff: als auch mit wissenschaftlichen Beiträgen hervorgetretener Psycho- und Gruppenanalytiker und als für die Interdisziplinarität zuständiges Mitglied im Vorstand der DGPT. Mit der vorliegenden Arbeit ist er, als akademischer Spätberufener sozusagen, von der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Viadrina in Frankfurt a.d.O. zum Dr. phil. promoviert worden. Es handelt sich aber keineswegs um eine Dissertationsschrift im herkömmlichen Sinn, mit der sich ein junger Akademiker seine ersten wissenschaftlichen Sporen verdient. Vielmehr ist es ein magnum opus, wie vom Feldherrnhügel aus geschrieben, das mit souveränem Gestus auf einen reichen Erfahrungsschatz herabblickt. Allein die im Literaturverzeichnis aufgeführten Aufsätze des Autors umfassen fast eine Seite. Gfäller hat seine wissenschaftliche Sozialisation in den 70er Jahren an dem von C.F. v. Weizsäcker geleiteten Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt erfahren, das damals ganz im Zeichen der Interdisziplinarität, hier der Grenzüberschreitung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, stand. Dieser weite Horizont prägt auch das Buch.
An etlichen Stellen beklagt er die fortschreitende Reduktion von Psycho- und Gruppenanalyse auf die kassenfinanzierte Krankenbehandlung, womit ihr zweites Standbein, das kulturkritische Potential, preisgegeben werde (S. 301). In der Tat: Diese vorderhand befremdliche Reduktion findet sich sogar im PsychThG, das, wenigstens dem Wortlaut nach, die Psychotherapie auf die Krankenbehandlung beschränkt, so als ob sonstige Formen der Konfliktlösung wie die Mediation nicht zum Berufsbild gehörten und auch die Advokatur hier privilegiert sein sollte. Das Buch versucht, dieses Korsett aufzuschnüren und die Erkenntnisse von Psycho- und Gruppenanalyse auch für nicht per se krankhafte »Konflikte, Widersprüche, Systeme, Organisationen, Institutionen, Interessen« (S. 18) fruchtbar zu m