You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dieses Werk über Wilhelm Stekel schließt eine empfindliche Lücke in der Literatur über die Frühgeschichte der Psychoanalyse. Es ist die mit einem ausführlichen Vorwort aus dem Jahr 2010 versehene, ansonsten aber unveränderte Ausgabe der Dissertation des Autors, mit der er 1999 an der University of Sussex promoviert worden ist. Sie geht über den üblichen Rahmen einer Dissertation weit hinaus, weil der deutschsprechende Autor mehrere Forschungsjahre in Wien verbracht hat und es ihm gelungen ist, eine ziemlich vollständige Bibliographie des weitverstreuten Werks seines Protagonisten zusammenzustellen.
Wilhelm Stekel war aus mehreren Gründen eine zentrale Figur der sich formierenden psychoanalytischen Bewegung der Jahre von 1902 bis 1912. Er war derjenige, der Freud dazu veranlasste, zum ersten Mal vier Kollegen am Mittwochabend zu sich einzuladen: Alfred Adler, Max Kahane, Rudolf Reitler und Wilhelm Stekel. Aus den Treffen entstand die »Mittwochsgesellschaft«, die Vorläuferin der Wiener und der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Wie Ranks Protokolle bezeugen, beteiligte sich Stekel hier mit vielen Diskussionsbeiträgen. In der deutschen und österreichischen Presse wurde er zum wichtigsten Propagandisten Freuds und der Psychoanalyse. Zusammen mit Adler war er der Herausgeber des Zentralblatts der Psychoanalyse. Auf dem Nürnberger Kongress von 1910 führte er mit ihm den Aufstand der Wiener gegen Sigmund Freud an, der zum Ziel hatte, C.G. Jung zum Präsidenten auf Lebenszeit der neugegründeten Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung mit diktatorischen Vollmachten zu machen. 1912 stieß Freud Stekel im Anschluss an eine Intrige um das Zentralblatt von sich.