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Michael Günter hat mit Gewalt entsteht im Kopf eine kleine, präzise und sehr klar geschriebene Monografie vorgelegt, die er seinem Freund, Förderer, Lehrer und Vorgänger in der Tübinger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Reinhart Lempp, gewidmet hat.
Wer Günter bei Vorträgen erlebt hat, weiß, dass er ein Faible für das Kino hat, besonders für das große und gute. Weil Gewalt entsteht im Kopf wohl in erster Linie für ein größeres und nicht nur das psychoanalytisch geschulte Fachpublikum gedacht ist, nutzt Günter auch darin für seine unterschiedlichen Kapitel jeweils Beispiele von Protagonisten und ihren Gegenspielern aus Kino-Publikumserfolgen oder Filmklassikern. Diese eher schemenhaft gestalteten Artefakte des Kinos analysiert Günter und deutet sie weitreichend, ehe er die sie verkörpernden Gewaltphänomene um eigene Fallvignetten aus seinen Behandlungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ergänzt und - wie dem Rezensenten scheint - auch aus denen des Tübinger Vereins für psychoanalytische Sozialarbeit.
Günter gliedert sein Buch in zehn kurze, prägnant und auch für Laien sehr gut verständlich geschriebene Kapitel. Er betrachtet Gewalt in der Tradition der Psychoanalyse als dem Menschen innewohnendes Phänomen und »Grundproblem« (S. 9), ehe er auf verschiedene Aspekte und Erscheinungsformen wie »Gewalt aus Leidenschaft […] Rache, Schuld und Scham« (S. 20ff.), »Faszinosum Gewalt […] Macht und magische Kräfte« (S. 36ff.), die »Lust an der Macht« und institutionelle Destruktionsausformungen und Schreckensherrschaften (S. 50ff.) usw. eingeht. Seine theoretischen Überlegungen veranschaulicht Günter mit den entsprechenden, prototypisch gestalteten Kino-Charakteren aus weitbekannten Filmen wie Spiel mir das Lied vom Tod, Krabat, Batman - The Dark Knight, Clockwork Orange, Terminator und Sleepers, so dass parallel zum Lesen auch Sequenzen und Bilder im Kopf des Lesers entstehen, die gleichsam vermitteln, wie nicht nur der andere, Fremde Träger der Gewalt ist