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Immer wieder sieht sich die Psychoanalyse dem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit ausgesetzt. Bernd Nissen hat nun in seinem Artikel zu zeigen versucht, dass ein für physikalische Theorien entwickeltes erkenntnistheoretisches Modell auch auf die Psychoanalyse anwendbar ist und dass somit die Psychoanalyse die an eine wissenschaftliche Theorie zu stellenden Anforderungen erfüllt. Doch dieser Beitrag wird die Kritiker der Psychoanalyse nicht zum Schweigen bringen.
Die von Nissen skizzierte Darstellung des nicht zuletzt auf Wolfgang Stegmüller zurückgehenden Modells einer wissenschaftlichen Theorie (zu dessen tieferem Verständnis Schulmathematik und Schulphysik nicht ausreichen) setzen den Normalleser der Psyche nicht in die Lage, den Erklärungswert dieses Modells, geschweige denn seine Brauchbarkeit für die Psychoanalyse zu beurteilen. Denn inhaltlich erfährt der Leser eigentlich nur, dass dieses Modell heute allgemein anerkannt ist und dass in diesem Modell Begriffe wie Kern, Fundamentalgesetz und intendierte Anwendungsmenge eine Rolle spielen. Aber welche Erkenntnis hat man gewonnen, wenn man diesen Begriffen nun keine Begriffe aus der Physik, sondern aus der Psychoanalyse wie dynamisches Unbewusstes, Metapsychologie und psychoanalytische Situation zuordnet?
Die Möglichkeit der Übertragung eines Modells aus der Physik, der am meisten mathematisierten Naturwissenschaft, auf die mathematikfreie Psychoanalyse ist nicht selbstverständlich gegeben und müsste sorgfältig begründet werden. Eine solche Begründung fehlt allerdings bei Nissen, er begnügt sich mit der Feststellung: »Formal-strukturell kann der Theoriebegriff der Wissenschaftstheorie auf die Psychoanalyse angewandt werden« (S. 595). Doch - wie gesagt - was ist damit gewonnen? Wenn es gelingt, die Begriffe Zukunftsdeutung, Planetenkonstellation und Geburtsdatum »formal-strukturell« in dieses Modell einzufügen, wird dann auch die Astrologie zur Wissenschaft?
Doch wichtiger als die Fragen, die mit der Übertragbarkeit d