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Zunächst muss man sich ja freuen, dass es tatsächlich Chemiker gibt, die sich für die Psychoanalyse und die Psyche interessieren. Doch müssen in Kolkenbrocks Replik szientistische Missverständnisse und Fehler konstatiert werden.
Zunächst zum szientistischen Missverständnis: Kolkenbrocks Bild von Wissenschaft und Forschung entspricht weder den Realitäten noch wird es erkenntnistheoretischen Weiterentwicklungen gerecht.
Spätestens seit dem 20. Jahrhundert ist allgemein anerkannt, dass kein Forscher »der Natur ihre Geheimnisse ablauscht«, seinem Gegenstand in objektiver Neutralität und Abstinenz gegenübertritt. Forscher/Forschung und Gegenstand stehen in einem wechselseitig sich konstituierenden Verhältnis. Nicht nur die Methoden konstituieren den Gegenstand mit, sondern auch der Forscher mit seinen Ideen zum Gegenstandsbereich, wie in Rückwirkung selbstverständlich auch gewonnene Erkenntnisse Methoden und Ideen modifizieren. Dass es hier erhebliche Unterschiede zwischen den Wissenschaften gibt, muss nicht erwähnt werden. Wenn die Verhaltenstherapie die Psyche kausal-deterministisch begreift, werden entsprechende Theorien produziert; und wenn Einstein z.B. sagt: »Es scheint hart, dem Herrgott in die Karten zu gucken. Aber dass er würfelt und sich telepathischer Mittel bedient (wie es ihm von der gegenwärtigen Quantentheorie zugemutet wird), kann ich keinen Augenblick glauben«, dann ist in dieser Aussage die Quintessenz seiner wissenschaftstheoretischen Überlegungen enthalten, wie auch seine Ideen, wie physikalische Theorien sein sollten, eben nicht würfelnd und telepathisch. Die Notwendigkeit, dass jede wissenschaftliche Disziplin sich mit Fragen der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie und Methodologie auseinandersetzen muss, wird auch darin deutlich, dass in vielen Fachrichtungen für Studierende Kurse zu diesen Fragestellungen obligatorisch sind.
Mir sind renommierte naturwissenschaftliche Forschungseinrichtungen bekannt, in denen alle forschenden Mitarbeiter selbstvers