You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Gottesentgiftung, so ließe sich das Grundthema der drei hier rezensierten Werke auf einen Begriff bringen. Das Thema der Religion und das Problem des »nicht lieben Gottes« lassen Tilmann Moser, den Verfasser der Gottesvergiftung (1976) - deren Lektüre auch die beiden dargestellten Patienten in seine Praxis geführt hat -, ebenso wenig los wie lebenslang Sigmund Freud. Mosers Ausführungen in den autobiographischen Bekenntnissen einer halb geheilten Seele (2004, S. 10, 67) machen die Plombenfunktion des Religiösen über seinen psychosozialen Kratern und Abgründen verständlicher (vgl. 2010, S. 636; 2012, S. 92). Bei Hannah H., Hartmut P. und bei Moser selber lässt sich die »Gottesgeschichte« als »Überbau über eine kindliche Depression« (2010, S. 149, 248, 427) begreifen. Was die drei hier angezeigten Bücher also miteinander verbindet, ist die Suche nach einem nicht oder weniger destruktiven (»grausamen«) Gottesbild, einem »erträglichen Gott« (z.B. 2010, S. 127, 595, 631), der eine Befreiung aus der »Gotteskrankheit« ermöglicht.
In Der grausame Gott und seine Dienerin (2010) zeichnet Moser zusammen mit seiner Patientin Hannah H. den vor nicht allzu langer Zeit beendeten vierjährigen Prozess einer niederfrequenten psychoanalytischen Körpertherapie mit einer schwer religiös traumatisierten Pfarrerstochter nach. Einen unmittelbaren Einblick in die Behandlung erlauben die fast komplett auf Band aufgenommenen und von der Patientin selber transkribierten Stundenprotokolle. Für die Publikation und bessere Lesbarkeit wurden sie um etwa ein Viertel gekürzt. Trotzdem umfassen sie weit über 600 Seiten. Neben den Worten der Patientin und des Therapeuten beeindrucken die in kursiv abgesetzten (immer wieder auch durchaus selbstkritisch betrachteten) Gegenübertragungsbewegungen und Kommentierungen Mosers und teilweise von Hannah H. Sie erlauben so tiefe Einsicht in die intimen und subtilen Verstrickungen und Entwicklungen der therapeutischen Dyade und den komplizierten