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Unter dem Titel Online-Sex nähert sich Arne Dekker einem Gegenstand, der seit seiner Entstehung in den 90er Jahren deutlich an Brisanz eingebüßt hat. Für den psychoanalytischen Leser erscheint das Thema von Sexualität im Internet
trotz dieser Entschärfung weiterhin interessant und relevant. Das Buch ist es nicht zuletzt, da der Autor, Mitarbeiter des Instituts für Sexualforschung und forensische Psychiatrie der Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf, im Anschluss an eine sehr detaillierte Einführung in den von ihm verfolgten, soziologisch geprägten, theoretischen Ansatz Passagen aus Interviews mit zwanzig Online-Sex-Praktizierenden qualitativ auswertet. Seine Arbeitshypothese klingt bereits im Untertitel des Buches an; sie hinterfragt vor allem das Verhältnis der unterschiedlichen, am sexuellen Online-Geschehen beteiligten Raum-Konzepte und deren Relation zu dem, was im soziologischen Diskurs als Subjektivierung des Körperlichen aufgefasst wird.
Ausgangspunkt seiner Beschäftigung ist - bei diesem Thema wenig überraschend - das Verhältnis des akademischen Diskurses zu sich stetig ändernden Software-Konfigurationen und der Dynamik im Feld von Interaktionen zwischen Mensch, universaler Maschine und Mensch. Die von Journalisten und Praktizierenden häufig vorschnell bewertete Frage, ob die Sexualität durch die Neuen Medien grundlegend verändert wird, stellt der Autor zunächst zurück, um der kulturpessimistischen Klage vom Verlust des Körperlichen aus dem Wege zu gehen. Stattdessen erörtert er praxistheoretisch die Frage, wie Sexualität im Netz überhaupt theoretisch gefasst werden kann. Sein profund recherchierendes und systematisches Vorgehen entspricht einer wissenschaftlichen Arbeit, die als Dissertation eingereicht wurde. Entsprechend eng ist der Rahmen gesteckt, was die Deutung der präsentierten Hypothesen von Lefebvre bis Foucault betrifft, zumal Dekker eine Auseinandersetzung mit dem Thema von Sprache und Begehren explizit ausschließt. Auch den technologie-determ