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Die immerwährende Faszination für die Perversion ist auf verschiedensten Ebenen unübersehbar: Da gibt es das massenhafte Interesse an den fiktiven kriminalistischen Fällen vorwiegend englischer und skandinavischer Provenienz genauso wie die fast schon hysterische Anteilnahme an den grausamen
Kindstötungen des Ehepaares Dutroux, den Inzesttaten eines Fritzl oder der jahrelangen Einkerkerung der Österreicherin Natascha Kampusch. Aber bekanntlich ist das Wort Perversion nicht den großen sogenannten Abartigkeiten menschlichen Sexuallebens vorbehalten, es hat auch Einzug gehalten in unsere Alltagssprache und meint dort, dass etwas, und zuvorderst die Sexualität, auf Abwege gerät.
Wolfgang Berner hat sich also in seinem Buch mit dem schlichten Titel Perversion keine leichte Aufgabe gestellt. Er wagt darin den Balanceakt zwischen einer stärker theoretisch ausgerichteten Klärung des Begriffs über mehrere Wissensdiskurse hinweg (neben der Psychoanalyse kommen auch benachbarte Disziplinen zu Wort) auf der einen und einer breiten Darstellung von Erscheinungsweisen der Perversion im Alltag des Psychoanalytikers wie im Kontext forensischer Einzelfälle auf der anderen Seite. Denn Wolfgang Berner ist nicht nur Psychoanalytiker, sondern auch Sexualwissenschaftler und forensischer Psychiater und verfügt damit über einen Fundus an Erfahrungen mit Perversionen wie nur ganz wenige.
Die Fallstricke seines Themas sind beträchtlich und zugleich unübersehbar: Gibt es überhaupt eine Berechtigung, am alten, moralisch aufgeladenen Begriff der Perversion festzuhalten, oder sollte stattdessen nicht von »Paraphilien« bzw. »Störungen der Sexualpräferenz« gesprochen werden, wie das in den neueren psychiatrischen Handbüchern der Fall ist? Wie kann es gelingen, innerhalb der langen und kontroversen Auseinandersetzung der Psychoanalyse mit der Perversion zu einer halbwegs konsistenten Konzeption zu gelangen? Lassen sich extremer Pornographiekonsum innerhalb einer langjährigen Partnerschaft und sadist