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Der Freiburger Psychoanalytiker Winfrid Trimborn hat eine beeindruckende Summe seiner bisherigen psychoanalytischen Erfahrungen und seines Denkens in einer umfangreichen Sammlung von Aufsätzen vorgelegt, die um die Themen Narzissmus und Melancholie kreisen und sich querlegen zum Zeitgeist therapeutischer Effektivität und einer Form diagnostischer Klassifikation, die glaubt, jegliche ätiologischen und psychodynamischen Erklärungen für überflüssig erklären zu können. Dieses Buch will explizit kein systematisches Lehrbuch und schon gar kein behandlungstechnisches Manual sein, sondern beansprucht ganz zu Recht, in mehreren Anläufen und unter verschiedenen Perspektiven die Psychodynamik und spezielle Problematik depressiver und narzisstischer Erkrankungen (in ihrem Zusammenwirken) zu erfassen. Die dafür unbedingt erforderliche Erfahrungsbasis, wie der Autor anhand von ausführlichen und subtilen Fallbeschreibungen überzeugend darlegt, entsteht allein durch lang dauernde analytische Behandlungen. Und allein in ihnen kann das, was verdinglichend »Störung« genannt wird, in ein inneres Erleben überführt werden und den Symptomen Bedeutung zukommen - was wiederum Voraussetzung für dauerhafte Wandlungsprozesse ist. In solchen »Behandlungen«, die vielmehr ein wechselseitiges Beziehungsgeschehen bilden, kommt es notwendig und unumgänglich zu emotionalen Verstrickungen, die immer wieder zur Sprache gebracht und geduldig durchgearbeitet werden müssen. Es geht mithin um eine Arbeit, deren Relevanz und Schwierigkeit zunehmend unterschätzt und banalisiert wird. Oft wird sie, wie Trimborn weiter zeigt, erst gar nicht in Angriff genommen; man beschränkt sich auf die offensichtlich-lärmende Symptomatik und lässt sich nicht weiter auf die dahinter verborgene narzisstisch-depressive Grundstörung ein, da diese beim Therapeuten eine Invasions- und Inkompetenzangst auslöst und von diesem nicht selten auf Kosten der Patienten abgewehrt wird (so berichtet Trimborn von einem Kollegen, der zu eine