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Im Spiegel vom 18.6.2012 behauptet die Historikerin der Psychoanalyse Elisabeth Roudinesco kühn, innerhalb der Psychoanalyse sei in den letzten 20 Jahren nichts Interessantes mehr geschrieben worden. Zu gerne würde man in dieser Aussage ein weiteres Beispiel des beliebten Psychoanalyse-Bashings sehen, doch einerseits eignet sich die Roudinesco als Feindbild schlecht, zu wohlwollend und zu informiert schreibt sie über die Psychoanalyse, andererseits fällt es schwer, Beispiele zu finden, die sie widerlegen würden.
Zweifellos wird viel zur Psychoanalyse publiziert, doch man kann sich oft des Eindrucks nicht erwehren, dass die Menge an produzierten bits und bytes umgekehrt proportional zum Erkenntnisgewinn steht. Im Bereich der Klinik werden neue Phänomene, wie das ADHS, mit alten Theorieversatzstücken unterlegt oder alte Phänomen an neue und modische Theorien, wie die Neurobiologie, in allzu offensichtlich legitimatorischer Absicht angeschlossen, um den Anschluss an den Zeitgeist (und die Krankenkassen) nicht zu verpassen. Dies mag ehrenvoll und berufspolitisch sinnvoll sein, neue Erkenntnisse erwachsen daraus selten. Im außerklinischen Bereich, der lange unter dem Titel Kulturkritik segelte, hat die Psychoanalyse als Erklärungsparadigma ohnehin schon längst ausgedient.
Nicht alles an dieser Entwicklung kann man der steifen Brise, die der Psychoanalyse seit einigen Jahrzehnten entgegenweht, zuschreiben. Es scheint dafür auch innerpsychoanalytische Gründe zu geben. Thomas Kuhn hat in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts mit seinem Begriff des Paradigmenwechsels die Wissenschaftstheorie revolutioniert. Kuhn (1996) behauptet, dass wissenschaftliche Theoriegebäude (Paradigmen) nur bis zu einem gewissen Grad an neue Phänomene angepasst werden können. Wenn auftauchende Phänomene ein bestimmtes Paradigma überfordern, wird es durch ein neues ersetzt. Tatsächlich scheint die Psychoanalyse einer Welt, in der die Subjektivität vielleicht mehr durch die Auseinandersetzung mit de