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Der Titel Arbeit der Bilder überrascht, da er die gewohnte Perspektive umzudrehen scheint: nicht der Künstler schafft das Bild oder der Betrachter eignet es sich sehend an, sondern das Bild arbeitet und bekommt damit Subjektcharakter. Unter diesem Thema fand 2008 im Bremer Neuen Museum Weserburg eine interdisziplinäre Tagung mit Psychoanalytikern, einem Künstler und Referenten aus Kulturwissenschaft und Philosophie statt. Das vorliegende Buch stellt nun die einzelnen Vorträge einer breiteren Öffentlichkeit vor. Die herkömmliche psychoanalytische Kunstbetrachtung stellt, angereichert durch das Konzept der Gegenübertragung, zumeist eine Verbindung zwischen Werk und lebensgeschichtlichen, neurotischen Bedingtheiten im Künstler her. Das Bild wird damit zu einer inneren Notwendigkeit. Beim Lesen solcher Texte bleibt man klug zurück und stellt verwundert fest, dass der Zauber oder das Besondere des jeweiligen Kunstwerkes damit nicht erklärbarer geworden ist. Dass dies in diesem Buch anders werden soll, versprechen die Fragen, die Karin Nitzschmann in ihrem Vorwort stellt und denen sich das Buch mit den Beiträgen annähern soll: »Wie kommt es, dass Bilder auf den Betrachter eine emotionale Wirkung ausüben können? Wie ist es möglich, dass Bilder so verschiedenartige Eindrücke hinterlassen können? […] ist es denkbar, dass Bilder einen vom Künstler selbst gar nicht intendierten Sinn entfalten, also gleichsam eine eigene Subjektivität beanspruchen dürfen?« (S. 7f.).
Ekkehard Gattig beginnt mit einer Standortbestimmung am Ende der Moderne, in der verbindliche Wahrheiten fragwürdig geworden, die Grenzen zwischen äußerer und innerer Realität immer mehr verwischt sind und die Bildhaftigkeit den sprachlichen Diskurs zu ersetzen beginnt. Er endet mit der These, dass ein Bild eine eigene Subjektivität mit einem eigenen Bild-Unbe-wussten hat, wenn es gelingt, das Sonst-noch-nie-Gesehene darzustellen. Dadurch dass Bilder mehr als eine Wahrheit ausdrücken können, in ihnen Unsichtbares