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Muss eine Publikation über Kreativität ihrerseits kreativ sein und also Rainer M. Holm-Hadullas Kreativitäts-Kriterium, die »Neukombination von Informationen« (S. 71), erfüllen? Wenn ja: Worin besteht das Neuartige von Holm-Hadullas Studie? Antwort: In der ambivalenten oder - philosophischer formuliert
- dialektischen Konzeptualisierung der Kreativität, wie sie der Titel von Holm-Hadullas Forschungsarbeit indiziert.
Da der »bei weitem größte Teil des menschlichen Wissens« nach Holm-Hadulla »nicht neuronal gespeichert ist, sondern in Mythen, Religionen, Sitten, Gebräuchen und Ritualen, Landschaften, Architekturen, Kunstwerken, Sprachen, Texten und Institutionen« (S. 56), kurz: als kulturelles Gedächtnis, bietet es sich an, das Konzept einer dialektischen Kreativität anhand von Mythen, literarischen Texten und anderen Kulturzeugnissen zu belegen.
Die Korrelation von Kreativität und Destruktivität wird demgemäß ausgehend von Schöpfungsmythen verschiedener Kulturvölker untersucht, die das Schöpferische als »in sich widersprüchlich und konfliktgeladen« (S. 8), also als ambivalente Einheit von Kosmos und Chaos darstellen. Auf der Seite des Chaos finden sich u.a. der »Urschlamm« in den Mythen Altägyptens - »formloses Urchaos« und Keim »alles zukünftigen Werdens« (S. 16) zugleich -, die zerstörerischen Götterväter Uranos, Kronos und Zeus des Alten Griechenlands sowie die Sintflut-Erzählung in den mosaischen Religionen. Holm-Hadulla zeichnet die Linie kultureller Vorstellungen schöpferisch-destruktiver Kräfte bis zu Nietzsches kreativem Vernichter Zarathustra nach, der als ein Schöpfer neuer Werte die alten zerbrechen und somit als »Verbrecher« auftreten musste. Zu den Irrläufern, die sich auf Nietzsche beriefen, zählt der Untergangssog Hitlers, dem von Holm-Hadulla gar eine »Kreativität des Bösen« zugeschrieben wird, die von »einer eigentümlichen Mischung aus absurder Phantastik und brutaler Rationalität« geprägt gewesen sei (S. 53) und der »Geschichte Deutschlands ein mons