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In meiner theoretischen wie auch klinischen Beschäftigung mit der Psychoanalyse bin ich immer mehr zu der Überzeugung gelangt, dass die Entstellung als das universelle Markenzeichen des Unbewussten anzusehen ist. Damit meine ich, dass die Entstellung, zunächst einmal, das Ergebnis der Wirkung ist, die das Unbewusste auf das Bewusstsein ausübt: in der Erinnerung, im Traum, in der Fehlleistung, im Symptom und auch in anderen Bildungen des Unbewussten. Doch damit nicht genug: ob Zeit (Aufhebung von Chronologie und Linearität) und Raum (Aufhebung der Innen/Außen-Relation), ob Kausalität (die Wirkung geht ihrer Ursache voraus) und Erkenntnistheorie, sobald das Unbewusste ins Spiel kommt, drohen die herkömmlichen Denkkategorien zu entgleiten und entgleisen. Dies zeigt sich mit besonderer Prägnanz in der Geschichte der Psychoanalyse, sofern sie eine Erzählung über die Theorie(n) vom Unbewussten darstellt. Sobald es in diesem Narrativ um die Grundbegriffe (infantile Sexualität, Narzissmus, Übertragung, Trieb, Unbewusste usw.) oder auch die großen Freudschen Gründertexte (Die Traumdeutung, Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, »Zur Einführung des Narzissmus«, Jenseits des Lustprinzips) geht, befinden wir uns sogleich auf einem Feld widerstreitender Kräfte wieder, das oftmals mehr mit einem Kampfplatz zu tun hat als mit einer wissenschaftlichen Diskussion. Natürlich ist das Beispiel par excellence der Begriff des Todestriebs und sein textuelles Pendant Jenseits des Lustprinzips - ein einzigartiges und zugleich eigenartiges Textdokument mit seinen Ausflügen, ja Abwegen in Metabiologie und Mythologie, das aufgrund seiner Heterogenität, aber auch Widersprüchlichkeit kaum noch als wissenschaftlicher Text bezeichnet werden darf. Aber gerade deshalb hat der Text eine Rezeptionsdynamik entfaltet, die in der Geschichte der Psychoanalyse einmalig ist und in den letzten Jahren noch einmal zusätzlich an Fahrt gewonnen hat. An der Affektgeladenheit der Debatte, aber auch an der Hartnäckig