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Das Menschenopfer war der erste Tausch: Man brachte den Körper eines Menschen dar, um Gnade für das Ganze, die Gemeinschaft, zu erhalten. Und wenn man später nur einen Teil des Körpers (Beschneidung), der Speisen (Fasten) oder der Lebenszeit (Kloster) opferte, so blieb die Gewissheit doch erhalten, dass ein geordnetes Leben die Begrenzung der Wünsche voraussetzt. Der verlässliche Bund mit den höheren (Gott) und niederen Mächten (Natur) beruhte auf einem Verzicht.
Zwar sprach Freud von der Allgewalt der Wünsche - aber gerade deshalb forderte er deren Begrenzung. Leise zweifelnd sprach er von der Zukunft dieser Illusion: Einsicht in die Unerfüllbarkeit der unmodifizierten Trieb-Wünsche könnte der Vernunft eines Tages doch noch zum Sieg verhelfen. Das klingt nicht nur wie ein Gebot; das ist tatsächlich die säkulare Zusammenfassung des Dekalogs: »Wo Es war, soll Ich werden. Es ist Kulturarbeit etwa wie die Trockenlegung der Zuydersee« (Freud 1933a, S. 86).
Freud war allerdings der Meinung, dass die Wurzelgründe der Vernunft - die triebhaften Wünsche - freizulegen seien, bevor man auf neuem Fundament haltbare Dämme errichten könne. Das brachte ihm den Vorwurf ein, er untergrabe Sitte und Anstand. Freud konterte diese Kritik mit den Worten, man müsse es »geradezu als einfältig bezeichnen, wenn man auf die Befürchtung stößt, die sogenannten höchsten Güter der Menschheit, Forschung, Kunst, Liebe […], würden ihren Wert oder ihre Würde einbüßen, weil die Psychoanalyse in der Lage ist, deren Abkunft von elementaren, animalischen Triebregungen aufzuzeigen« (1923a, S. 228).
Eines dieser »höchsten Güter« - die Wissenschaft - sichert die Herrschaft des Menschen über die Natur - der er selbst angehört. Wären Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung deshalb nicht das Maß aller Dinge? Ja - doch der Selbstbegrenzung steht der Unsterblichkeitswunsch entgegen, der nicht nur den religiösen Illusionen der Menschen, sondern auch dem Machbarkeitswahn zugrunde liegt, der seit jeher den wissensch