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In den letzten Jahren hat es einen starken Zuwachs an Erkenntnissen über implizite Beziehungsstrukturen gegeben, die nicht nur für das Verständnis unbewusster Vorgänge im Allgemeinen sehr bedeutsam sind, sondern auch für die Beziehung zwischen Patient und Therapeut sowie für die Frage, wie Veränderung stattfinden kann. Nach einem Überblick über den Erwerb impliziten Beziehungswissens in der Mutter-Kind-Beziehung wird der Frage nachgegangen, wie sich implizite Beziehungsstrukturen von Patient und Therapeut zueinander verhalten und im Rollenhandeln bzw. im Enactment miteinander ausgehandelt werden. Hierzu ist es notwendig, die analytische Beziehung als eine Wahrnehmungssituation aufzufassen, in der nicht-bewusste Wahrnehmungsvorgänge von beiden Beteiligten eine zentrale Rolle spielen. Zu diesem Zweck wird zunächst ein Wahrnehmungsmodell skizziert, das von der sensorischen Registrierung bis zum bewussten Gewahrwerden reicht und von Primär-Emotionen angetrieben wird; im nächsten Schritt wird dieses sozialpsychologisch konzipiert. Inwieweit reagiert ein Therapeut auf die vom Patienten in die analytische Situation eingebrachten impliziten Beziehungsmuster mit eigenen impliziten Kommunikationssignalen und inwieweit kann der daraus resultierende Handlungsdialog Aufschlüsse über missglückte Abstimmungsprozesse beim Patienten, aber auch beim Therapeuten vermitteln? Welche Kompetenz ist vonnöten, um in diesem erweiterten Verständnis von Übertragung und Gegenübertragung damit gut umgehen zu können?