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Auf der zentralen Bedeutung von Sprache und Sprechen für die Psyche hat Freud seine Theorie und noch viel mehr seine Behandlung aufgebaut. Doch obwohl die Psychoanalyse seit ihren Anfängen eine internationale Angelegenheit war und mit den verschiedensten Sprachkreisen in Berührung kam, beschäftigt sich Freud in keiner seiner Schriften mit der Rolle der Zweitsprachen im Seelenleben der Patienten. Dies ist umso erstaunlicher, als er in vielen seiner bekannten Fälle, sei es Dora, der Rattenmann oder der Wolfsmann, immer wieder auf rätselhafte »Wortbrücken« stößt, die auf die kryptische Rolle von Fremdsprachen verweisen.
Mit der an Migration gebundenen Mehrsprachigkeit haben sich seit León und Rebecca Grinbergs klassischer Untersuchung Psicoanálisis de la migración y del exilio von 1984 (dt. ) viele psychoanalytische Arbeiten insbesondere unter dem Fokus der Traumatisierung beschäftigt. Keine jedoch hat die psychoanalytische Dimension von Mehrsprachigkeit so grundlegend und aus so unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wie das vorliegende Buch. Zentral geht es Amati Mehler, Argentieri & Canestri, AutorInnen mit ganz eigener Sprachgeschichte, darum, »das Ineinander von Muttersprache und Fremdsprachen für den Prozess der Trennung, des Selbstständigwerdens und Heranwachsens« (S. 237) zu beleuchten. Diesem Ineinander gehen sie in zahlreichen Fallbeispielen nach, die ganz nebenbei auch viele andere Aspekte der Beziehung zu Erstsprache(n) und Zweitsprache(n) erhellen, wie Fragen des Spracherwerbs, des Sprachverlusts oder des Wiedererlangens von Sprache nach einer Aphasie bei Mehrsprachigen.
Das 1990 auf Italienisch erschienene Buch (2. Aufl. ), das bereits auf Englisch , Französisch und Spanisch vorliegt, gibt es nun in einer vorzüglichen Übersetzung von Klaus Laermann endlich auch auf Deutsch. Der nachvollziehbar in 12 Kapitel gegliederte Band gibt zunächst einen Überblick über Theorien zum Einfluss von Mehrsprachigkeit auf die Psyche (Stengel, Lagache, Todorov und andere