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Das Buch, das hier gewürdigt wird1, ist ein großer Wurf. George Makari, Direktor des Instituts für Geschichte der Psychiatrie an der Cornell University, New York, ist der erste, der für sich in Anspruch nehmen kann, die ganze Entwicklung der Psychoanalyse bis zu ihrer Vertreibung aus Mitteleuropa im Jahr 1938 ins Auge zu fassen. Dieser Zeitraum entspricht in der Tat einer Epoche. Ebenso überzeugt die Gliederung in drei Teile, die der Entstehung »der Freud'schen Theorie«, »der Freudianer« und »der Psychoanalyse« gewidmet sind. In diesen Überschriften werden Thesen auf den Punkt gebracht, die Makaris Gesamtbild prägen: Bis 1905, dem Erscheinungsjahr der Drei Abhandlungen, arbeitete Freud im Wesentlichen allein an der Grundlegung seiner Lehre; bis zum Ersten Weltkrieg war das dominante Thema die Einschwörung seiner Anhänger auf eine gemeinsame Theorie und Praxis; danach löste sich das Feld von seinem Begrüder ab und wurde zu einer lebendig-produktiven Disziplin von Berufsanalytikern.
In der Einleitung unterstreicht Makari ein Prinzip seiner Darstellung: Freud hat sein Werk nicht als einsames Genie, sondern im Kontext vieler Vorgänger, Kollegen und Schüler geschaffen. Dieser kontextualisierende Ansatz muss heute nicht mehr offensiv vertreten werden. Aber man wird selten ein Werk finden, in dem er so konsequent verwirklicht ist. Dabei vermeidet es Makari, Freuds Leistung durch den Nachweis seiner Abhängigkeiten zu entwerten. Vielmehr gelangt er zu dem Ergebnis, dass Freud zwar zahlreiche Einflüsse aufnahm; ihre Verarbeitung aber blieb seine eigene und führte zu einer spezifischen Lehre von einzigartiger Komplexität und Wirkungskraft.