You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Nach zahlreichen Veröffentlichungen zur Psychologie der Musik, zu Musiktherapie und musiktherapeutischer Improvisation legt die renommierte Mitbegrüderin
der Morphologischen Musiktherapie Rosemarie Tüpker mit Musik im Märchen einen umfangreichen und interessanten Märchenschatz vor. Dieses Buch ist Zeugnis einer langjährigen, intensiven und akribischen intellektuellen Auseinandersetzung der Autorin mit Märchen, die laut Bettelheim einen großen, positiven psychologischen Beitrag zum inneren Wachstum des Kindes leisten.
Tüpker präsentiert im ersten Abschnitt des Buches Grundlagen der Märchenforschung aus tiefenpsychologischer Sicht. Umfassend bezieht sie sich dabei auf die zeitgenössischen Arbeiten in der psychoanalytischen Tradition nach Freud und Jung. Märchen seien hiernach nicht nur für Kinder gedacht, sie gäben vielmehr einerseits »Auskunft über die soziale Wirklichkeit der Erzähler, ihre alltäglichen Nöte und Erfahrungen« (S. 21). Dabei seien die zahlreichen Könige und Prinzessinnen als »Wunschbilder und Glückvorstellungen, also symbolisch zu verstehen« (S. 21). Andererseits sei die magische Welt der Märchen als »seelische Welt« zu verstehen, »in der sich […] die erlebten zwischenmenschlichen Beziehungen und ihre Konflikte und Lösungsmöglichkeiten niederschlagen« (S. 21). Die erfahrene Musiktherapeutin Tüpker nimmt dabei auch Bezug auf kulturwissenschaftliche Gegenstandsbereiche.
Im zweiten Abschnitt des Buches, »Tiefenpsychologische Analysen«, unterzieht Tüpker drei Märchen einer tiefenpsychologischen Analyse: »Die Erschaffung der Geige«, ein transsilvanisches Roma-Märchen, »Das Laute spielende Eselein«, das als das älteste Märchen Europas gilt, sowie »Der Sohn kämpft gegen den Vater«, ein slowakisches Roma-Märchen.
Tüpker eröffnet mit ihrer Methode der Morphologischen Psychologie einen epistemischen Prozess, der sich an seinem Gegenstand bemisst. Sie lässt sich von den intersubjektiven Dynamiken der Assoziationen überraschen und spürt den Motiven assoziativer E