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Der Film beginnt mit einem Gewaltakt. Uniformierte Feuerwehrleute und Polizisten stürmen die Eingangstür einer Wohnung, öffnen die Barriere der Schließanlage, halten auf eine mit Klebestreifen abgedichtete Tür zu, versuchen einzudringen. Ein Mann in Zivil, wohl ein Kriminalbeamter, geht ins Nachbarzimmer, hält sich die Nase zu, rüttelt an der ebenfalls verklebten Durchgangstür. Er öffnet weit die Fenster. Während bisher nur Gesprächsfetzen an der Tür und Straßenlärm zu hören waren, klingt jetzt laut aus dem Off: Die Tür ist offen.
Wir treten mit dem Mann in ein Schlafzimmer, in dem auf der einen Seite des Ehebettes die schon leicht verweste Leiche einer alten Frau liegt, schön gekleidet, der Kopf von Blüten umringt, über den übereinander gelegten Händen ein Kruzifix.
Erst nach diesem Prolog erscheint weiß auf schwarz der Filmtitel: Liebe.
Die erste Szene lädt zu vertrauten Deutungsfiguren ein. Gewalttätig dringen uniformierte Männer in einen - weiblichen - Raum ein. Die sexuelle Semantik ist offenkundig. Der männliche Blick, der seit der Erfindung der Zentralperspektive den Raum durchmisst, durchschreitet, durchdringt, hat sich die Vorstellung und Darstellung der Welt wesentlich zu eigen gemacht. In einem Vortrag über das Paar in der Gegenwartskunst hat Reimut Reiche mit einer nackten Tizian-Schönheit diesen Diskurs illustriert: »Das »männliche« Auge sucht unwillkürlich den einen zentralen »weiblichen« Punkt, auf den das Ganze hinausläuft. Das Sehen wird zur dominanten Wahrnehmungsform, der Blick wird vermännlicht, der Raum wird zum weiblichen Genitale, ganz unabhängig davon, ob im manifesten Bild ein Paar oder eine einzelne Frau oder etwas ganz anderes gezeigt wird« (Reiche 2002, S. 15).
Der Kriminalbeamte geht in den Nebenraum, schafft eine Zäsur in der gewalttätigen Bewegung, er öffnet weit die Fenster. Mit dem Gestank der Verwesung wird auf den Geruchssinn verwiesen, einen Sinn, der dem Emotionalen viel näher ist als der Sehsinn. Im Schlafzimmer schauen wir auf eine