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Nach ihrem ersten Buch mit dem schönen Titel Live Company, der die psychoanalytische Haltung der Autorin so knapp wie möglich zusammenfasst, hat Anne Alvarez jetzt ihre Erfahrungen weiter systematisiert. Der Titel dieses Werkes jedoch hat den Rezensenten zurückschrecken lassen, klingt er doch recht sentimental. Der Blick ins Buch belehrt zum Glück rasch eines Besseren.
Schon die ersten Sätze machen klar, worum es der Autorin geht: die klinische Erfahrung steht im Zentrum ihrer Überlegungen. Warum helfen bestimmte Deutungen nicht, sondern verschlimmern den Zustand des Patienten? Warum erreichen Interventionen den Patienten manchmal nicht, auch wenn sie vermutlich richtig sind? Sie beschreibt anschaulich ihren eigenen Weg, wie sie durch »genaue Beobachtung«, wie sie immer wieder sagt, ganz eigene Vorstellungen darüber entwickelt, was ihren Patienten in den gerade vorherrschenden mentalen Zuständen helfen kann, sich weiterzuentwickeln. Der erste Schritt war, aus ihren Erfahrungen zu lernen, was man nicht tun sollte.
Dies demonstriert Anne Alvarez sehr nachvollziehbar in Kapitel 6, wenn sie die Behandlung von Richard, zehn Jahre alt, beschreibt, die vor über 40 Jahren stattfand, und im Rückblick darüber reflektiert, was sie heute anders machen würde. Richard war ein »sehr verrückter Junge mit einer misstrauischen, angespannten Erscheinung, er machte bizarre Gesten mit den Händen, als ob er Schläge auf den Kopf abwehren wollte« (S. 82). In seiner ersten Stunde zuckte er zusammen, als er Geräusche im Haus hörte; sie sagte ihm, er sei immer noch sehr ängstlich. Darauf erwiderte Richard: »Nein, ich habe keine Angst. David [sein Bruder] hat immer Angst.« Das verstand Alvarez damals so und sagte ihm das auch, dass er seinen Bruder benutzte, um nicht selber Angst haben zu müssen. Deutungen dieser Art verstärkten die Unruhe ihres Patienten. Heute würde sie diese Spaltung und Projektion bei einem so gestörten Patienten eher unterstützen und etwa sagen: »Jetzt fühlst du dich etwas