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»Die einzige Pflicht, die wir der Geschichte gegenüber haben, ist, sie neu zu schreiben.« Im Hinblick auf das »Schicksal« der Psychoanalyse in der Zeit des Nationalsozialismus ist diese - von Oscar Wilde erhobene - Forderung wiederholt erfüllt worden, allerdings mit einer Einschränkung: Die von Ernest Jones in den 1950er Jahren vorgelegte Basiserzählung wurde bei Bekanntwerden neuer Fakten später in vielen Fällen nicht grundsätzlich hinterfragt, sondern - in Übereinstimmung mit vereinskonformen Überzeugungen - lediglich neu justiert.
Was ist eine »Basiserzählung«? Der Soziologe Thomas Herz, der diesen Begriff prägte, bezeichnete so ein Narrativ, das der Aufrechterhaltung der hegemonialen politischen Kultur - und damit zugleich der Delegitimierung widersprechender Perspektiven - dient. Ein solches Narrativ kann »je nach Thema bzw. Dilemma, das es zu »lösen« oder zu regeln gilt«, in vielen »Kurzgeschichten«, »Kleinsterzählungen« und »Plots« variiert werden, das grundlegende Muster bleibt dabei jedoch erhalten. Die von Herz identifizierte hegemoniale Erzählung der Deutschen über ihre NS-Geschichte gibt auf die Fragen, wie sie »an die Nazis gerieten, was sie während des Krieges taten, was dann nach Ende des Krieges geschah, und welche Konsequenzen sie daraus zogen«, die gewünschten Antworten: »Das deutsche Volk sah sich eines Tages mit den Nationalsozialisten konfrontiert. Die Nazis errichteten ein totalitäres und despotisches Regime. Es war ein Willkür- und Unrechtsstaat. Es gab Widerstand gegen dieses Regime […]. [Die] Deutschen waren in Wirklichkeit eine »Gemeinschaft« der Leidenden. […] Nach dem Krieg hat man sich erfolgreich mit der NS-Vergangenheit auseinandergesetzt. Die Deutschen haben aus der Vergangenheit gelernt« (Herz 1996, S. 93). Die Basiserzählung über die Psychoanalyse unter Hitler, die Jones vorgelegt und seine Nachfolger ergänzt haben, klingt recht ähnlich. Demnach sahen sich die Psychoanalytiker eines Tages mit den Nationalsozialisten konfrontiert. Sie