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In den letzten Jahren hat das Interesse am Verhältnis von Psychoanalyse und Musik zugenommen. Es tauchten die Fragen auf, ob das Verständnis musikalischer Phänomene für die psychoanalytische Arbeit hilfreich ist und inwiefern der psychoanalytische Erkenntnisweg zu einem vertieften Verstehen von Musik führt. Die Schnittstelle beider Bereiche scheint eine »unbekannte Zone« zu markieren. Sowohl das, was den Kern psychoanalytischer Arbeit ausmacht, wie auch das, was Musik bedeutet, was Musik uns bedeutet, ist etwas, dem wir uns nur nähern können, ohne es jemals entsprechend einem unbekannten Land »einnehmen« zu können. Während von musiktherapeutischer Seite seit Längerem Arbeiten vorliegen, die sich diesem Gegenstand widmen, wächst in den letzten Jahren das Interesse von Autoren, die aus einem genuin psychoanalytischen Verständnis heraus Musik als ein Phänomen entdecken, das Erkenntnisgewinn für die analytische Arbeit verspricht, indem das metatheoretische Verständnis hinsichtlich jener psychoanalytischer Konzepte eine Erweiterung erfährt, die sich auf die präödipale Entwicklung, die Bedeutung nonverbaler Beziehungsaspekte etc. beziehen. Dem Forschungsgegenstand liegt ein Paradox zugrunde. Musik als eine genuin sinnliche Kunst kann nicht in Sprache übersetzt werden. Unser Denken ist aber sprachlich organisiert und geht aufgrund seines Abstraktionsgrades immer mit einem Verlust an Sinnlichkeit einher.
Hierzu liegt nun ein Buch vor, das uns mitten hineinnimmt in den musikalischen wie therapeutischen Prozess und zugleich ein theoretisches Konzept aufzeigt, das eben jene sinnliche Erfahrungsebene in den Mittelpunkt stellt. Die beiden Autoren nähern sich dem Thema aus je eigener Sicht. Sebastian Leikert hat sich als Psychoanalytiker seit Langem mit dem beschäftigt, was Musik für den Menschen bedeutet, was in ihr und mit ihr ausgedrückt wird und wie man dies begrifflich fassen kann. Jörg Scharff - Musiker und Psychoanalytiker - ist mit der Leiblichkeit des Menschen befasst, mi