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Freud gehört zu den großen alten Männern in der Geschichte der Wissenschaft, deren geistiges Werk, wie es scheint, dem unerbittlichen Einfluss der Zeitläufte trotzt.
Bereits die Bezeichnung »alter Mann« wirkt hier wenig angemessen. Das ist uns allen, die wir immer die neuesten Ergebnisse seiner Arbeit verfolgt haben, klar gewesen, doch vollends hat mir das ein Besuch vor Augen geführt, den ich im Februar dieses Jahres Freud abstatten konnte. Ich hatte ihn zuletzt 1922 in Wien gesehen, wo ich als junger Arzt während meiner Facharztausbildung Gelegenheit zum näheren Kontakt mit ihm hatte.
Damals machte Freud ein schweres Leiden durch, weil ein Karzinom des Kiefers eine Operation notwendig machte, bei der große Teile des Kiefers entfernt wurden und eine Prothese angepasst werden musste. Diese Operation hat ihm das Sprechen etwas erschwert, weswegen der Professor - ein hervorragender Redner - sich von allen öffentlichen Auftritten zurückzog, wobei er aber weiterhin internationale Tagungen besucht. Er empfängt bei sich nur noch eine kleine Gruppe seiner Schüler und Forscher. Doch arbeitet er weiterhin theoretisch wie praktisch und führt Psychoanalysen von Patienten und Ärzten durch, die aus der ganzen Welt zu ihm kommen, um zu lernen.
Ich gestehe, dass ich auf dem Weg zum Meister sehr bewegt war. Mir war, als müsste ich meinem Lehrer über einen großen Teil meines Lebens, auf jeden Fall aber über meine Arbeit Rechenschaft ablegen. In nach wie vor demselben, nicht allzu großen Behandlungsraum, in dem der Schreibtisch von einer großartigen Sammlung phantastischer Figürchen gesäumt wird - mythische Gestalten ferner, exotischer Kulte, die ihm vermutlich von befreundeten Ethnologen offeriert wurden -, werde ich von Freud begrüßt, seine Gestalt ist immer noch kräftig, das Gesicht zwar schmäler und älter als vor Jahren, doch die Augen haben denselben tiefen Glanz und Ausdruck wie früher.
Die ersten Fragen sind persönlicher Natur. Der Professor interessiert sich für meine Arbeit, fra