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Während der ersten vier Jahrzehnte bleibt die Geschichte der Psychoanalyse aufs engste mit der Person ihres Erfinders verknüpft. Schon ihrem ersten Text, der Traumdeutung, schreibt Freud seine autobiographische Erfahrung ein, doch gleichzeitig macht er sie zum Lehrbuch einer neuen Wissenschaft, entwirft eine Hermeneutik mit universalem Anspruch. Dieser Sprung aus dem Privaten in eine allgemeine Gültigkeit kann freilich nur gelingen, weil eine akut sich zuspitzende Krise den öffentlichen Raum beherrscht und die scheinbar geschützte Autonomie des Individuums längst durchbrochen hat.
Als Freud seine Lehre entwickelt, ist er einer ständigen Dialektik ausgesetzt. Die Psychoanalyse entsteht vor dem Hintergrund welthistorischer Umbrüche, ihre formativen Jahre führen auf das Ende des Habsburgerreiches zu, in dem er aufgewachsen ist, und der unterschwellig drohenden Gefahr sucht er zunächst zu begegnen, indem er die Gesetze des Unbewussten formuliert. Der Krieg zwingt ihn aber bald, sein noch in den letzten Friedensjahren erarbeitetes revolutionäres Menschenbild gleich wieder zu revidieren und neben das Lustprinzip einen Todestrieb zu setzen. Dann scheinen die Zeiten besser zu werden, im Berlin der Weimarer Republik gewinnt die neue Lehre ein bedeutendes Zentrum außerhalb Wiens. Schon wenige Jahre später jedoch treibt der Aufstieg der Nationalsozialisten die Berliner Analytiker in die Emigration, und bald darauf, am Ende seines Lebens, auch Sigmund Freud selbst.
Die Umstände ihrer Entstehung haben die Psychoanalyse zu einer Krisentheorie werden lassen, und während Freuds Zeitgenossen ihre Schicksale erleiden, wenden sie sich ihr zu und lesen die Spuren einer traumatisierten Erfahrung in ihr. Nicht nur Analytiker und Analysanden, sondern auch die Lehre selbst durchläuft dabei einen Prozess der Deterritorialisierung. Freuds Texte werden nicht zufällig neben dem deutschen Original auch in einer englischen Standard Edition aufbewahrt, in der lingua franca des Exils; und sie passt