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Kindesmissbrauch, Flatrate-Prostitution, Mädchenhandel, 〉Homo-Ehe〈 und 〉Homo-Adoption〈, Trans- und Intersexualität, 〉Sexuelle Vielfalt〈: die medialen Diskurse wogen, aber die Psychoanalyse kommt so gut wie nicht darin vor. Zum Glück gibt es Ausnahmen: z.B. Ilka Quindeau bei Scobel oder Franziska Henningsen am Runden Tisch für die Missbrauchsopfer. Einer der wenigen, die die Flagge der Psychoanalyse noch hochhalten, hat trotz hohen Ansehens in der Wahrnehmung vieler Psychoanalytiker nicht die Weihen der - vielleicht etwas kirchlich gewordenen - psychoanalytischen Institutionen: Volkmar Sigusch, Mediziner und Universalwissenschaftler, vielen bekannt als nicht nachlassender Erforscher und Behandler von sexuell als abweichend definierten Menschen. Mit vorliegendem Buch hat er gleichsam ein Vermächtnis zu Lebzeiten vorgelegt: die von ihm gerade nicht als endgültig bezeichnete, jedoch nach unzähligen Entwicklungsschritten und Veröffentlichungen am weitesten entwickelte und verdichtete Fassung seiner Sexual- und Geschlechtertheorie. Mit dem bescheidenen Untertitel verdeutlicht er das im besten Sinne Vorläufige und Fragmentarische jeglicher Theorie, die sich bemüht, einen zentralen, unsäglich komplexen Aspekt des Menschseins theoretisch zu erfassen. Gleichwohl gelingt ihm damit ein Meisterwerk.
In methodologischer Hinsicht erfüllt das Buch diesen Anspruch, weil es - insbesondere uns Psychoanalytikern - vorbildlich vermittelt, wie sich diskursiv, reflexiv, transdisziplinär und dekonstruktivistisch vorgehen sowie anschließende Forschung und Theoriebildung ermutigen lässt. Subtil und durchaus wohlwollend zeigt er auf, wie die institutionalisierte Psychoanalyse und - davon subkulturmäßig beeinflusst - wahrscheinlich viele Praktiker hinsichtlich Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung in einem antiquierten Normalitätsbegriff ebenso feststecken wie im unterkomplexen, linearen und entwicklungspsychologistischen Kausalitätsdenken. Beides birgt die Gefahr, dass nicht vorrangi