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Bereits beim Einlesen in dieses Werk übernehmen Wissbegierde, Faszination und emotionales Teilnehmen rasch und nachhaltig eine Führungsrolle. Obwohl es dem jederzeitigen Textzugriff, angesichts seines physischen Gewichts und des unhandlichen Formats, doch einige Unbequemlichkeiten entgegenstellt
(Transportabilität), dürfte genau das nicht »zu Buche schlagen«. Seine - ohne Literaturverzeichnis - in 6 füllige Kapitel mit 22 Rubriken unterteilten fast 600 Seiten entpuppen sich definitiv nicht als »Fach-Wälzer«. Im Gegenteil rekonstruiert diese Kulturgeschichte der Psychotherapie in der Schweiz eine zum Anfassen belebte Entwicklungsgeschichte.
Die weitsichtigen Verknüpfungen des Autors mit jeweils herrschendem Zeitgeist und politischen und sozialen Strömungen erschaffen ein kleines Welttheater mit wirkkräftig beteiligten Figuren, die durch illustrative Zitate zu leibhaftigen Akteuren erwachen. Der Grundton des Autors ist kritisch, stets persönlich engagiert, gescheit argumentierend, zuweilen ins Bissige geratend, dabei profund sachkundig bei gleichzeitig wach bleibender Reflexion. Sein Recherchiertalent verblüfft, und sein journalistisches Gespür führt ans Geschehen.
Dass bereits der Werkumfang als solcher, der erfasste Zeitrahmen, der Einbezug zweier Weltkriege, die vielfältigen und oft wechselhaften Kontroversen zwischen vielen professionellen Autoritäten, die Berücksichtigung der Heilanstalts- und Pflegeerfahrungen von Patienten usw. es schlicht verunmöglichen, ein dem ganzen Buch angemessenes, konsistentes Referat zu erstellen, dürfte einleuchten. Ich konzentriere mich deshalb zwangsläufig auf einen äußerst komprimierten Abriss im Sinne von »Schnappschüssen«.
Kapitel 1: Vorgeschichte. Konkret und geballt werden darin die institutionellen, ideellen und personellen vor-analytischen Bedingungen und Praktiken schweizerischer »Irrenhäuser« beleuchtet. Griffige Beispiele verdeutlichen sowohl die krasse mentale und emotionale Ohnmacht der verwahrungsverpflichteten Helfer al