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Eine Anmerkung vorab: Meine Lesart des hier vorzustellenden Buchs von Ulrich Moser ist weniger psychoanalytischer als philosophischer Natur, geleitet von Überlegungen zu einer Philosophy of Mind. Zugrunde liegt die Annahme, dass eine Zusammenarbeit von Philosophie und Psychoanalyse wünschenswert ist. Bei aller Kritik, die Philosophen und Philosophinnen in Vergangenheit und Gegenwart an psychoanalytischer Theoriebildung zu Recht geäußert haben, ist unbestritten, dass die Psychoanalyse den Erkenntnisprozess einer Philosophy of Mind maßgeblich befördert hat. Dies belegen zahlreiche Arbeiten der Gegenwart (z.B. ; ). Für Moser ist der psychoanalytische Prozess u.a. durch die »Ausgestaltung reflexiver Mikrowelten« (S. 26) charakterisiert; treffender kann der gemeinsame Gegenstand von Erkenntnistheorie und Psychoanalyse kaum gekennzeichnet werden.
Während der Haupttitel des Buches zunächst irritiert, hat der Untertitel »Naive, implizite und explizite Reflexivität« mein Interesse geweckt, verspricht er doch eine Differenzierung verschiedener Formen von Reflexivität - und, um dies gleich vorwegzunehmen, diese Erwartung wird nicht enttäuscht.
Betrachtet man das Buch-Cover, erklärt sich der rätselhafte Buchtitel in einer ersten Lesart: Es zeigt das Bild der Madonna del Sangue, die dem Jesuskind die Brust gibt. Allerdings ist diese Darstellung merkwürdig gebrochen, »naiv«, weil perspektivisch nicht stimmig. Das Kind, das eigentlich der Mutter und der Brust zugewandt ist, blickt gleichzeitig den Betrachter an und hebt verkündend seine Hand. Moser erkennt darin zwei Mikrowelten, die der Künstler in dem Bild verbinden will: die Mikrowelt des Stillens und die Mikrowelt des Verkündens. Die Brust sitzt hier nicht am »richtigen« Ort, und doch erschließt sich die Botschaft dem Betrachter. Die naive Reflexion verzichtet auf eigene Verknüpfungen oder, wie Moser sie nennt, auf Schlaufen: »Die Reflexivität ist bereits vorgegeben und abgeschlossen. Der Gläubige muss nicht über sein Erleben re