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Welchen Film wählt man als Filmpsychoanalytiker aus, um sich mit diesem intensiver zu beschäftigen, darüber zu schreiben oder mit einem öffentlichen Publikum zu diskutieren? Warum entstand nach dem Filmerlebnis von A Serious Man der spontane Impuls, mich mit diesem Film näher zu befassen? Lag es an einer Identifizierung mit dem Protagonisten - ein Physikprofessor im mittleren Westen der 60er Jahre in den USA, der in kurzer Zeit von einer Reihe von gesundheitlichen, familiären und beruflichen Katastrophen bedroht wird? War es ein sentimentaler Rückblick auf meine eigenen kleinstädtischen Erfahrungen als Jugendlicher in Michigan in den 50er Jahren? Waren es die offenen historischen (das jüdische Schicksal), psychoanalytischen (die Neurose des Mannes) und spirituellen Fragen (die Begegnung mit dem Leiden), die durch das Filmerlebnis angestoßen wurden? Und führte die zentrale Rolle, die das Jüdische in diesem Film spielt, sogleich zu einer Abstandnahme, da ich davon so wenig verstehe und damit ein heikles Gebiet betreten würde? Interessant ist aber, dass ich bald den Titel des Films »vergaß« und er in meinem Gedächtnis als »A Simple Man«, manchmal auch in Konkurrenz zu »A Single Man« (offenbar in Assoziation zu dem Film von Tom Ford aus dem Jahre ) wieder auftauchte. Erst als ich den Film zum zweiten Mal anschaute, erinnerte ich mich, dass er mit einem Zitat von Raschi, einem berühmten Rabbiner des Mittelalters, beginnt: »Nimm in Einfachheit alles hin, was Dir widerfährt.« Sollte also die Verwechslung von »serious« mit »simple« vielleicht doch eine tiefere Bedeutung haben? Außerdem schien mir jetzt dieser so einfach klingende Satz, den ich beim ersten Mal eher übersehen hatte, als Motto des Films grundlegend widersprüchlich: wahr und doch ausgesprochen rätselhaft, wenn nicht sogar empörend - in seiner möglicherweise fatalistischen und masochistischen Deutungsmöglichkeit. Was könnte hier der Rabbi mit »Einfachheit« und »Hinnahme« meinen? Und kann ma