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Die Aufsatzsammlung Lesen mit Lacan des Pariser Psychoanalytikers Franz Kaltenbeck vereint mehr als zwei Dutzend Beiträge zur Psychoanalyse, geschrieben zwischen 1978 und 1998. Diese haben so unterschiedliche Themen wie etwa den Begriff der Angst und der Zeit in der Psychoanalyse, das Konzept des somatischen Entgegenkommens aus Freuds Hysterieforschung, Lacans Erfindung der passe, einen Vergleich der Theorien von Freuds Schülern zur Kriminalität oder auch eine Analyse von Kafkas Brief an den Vater zum Inhalt. Jenseits dieser Vielgestaltigkeit sucht das Buch seinen Lesern eine spezifische, an Lacan angelehnte Lektürepraxis nahezubringen, die jegliche Gelehrsamkeit vermeidet.
Eingangs zeigt sich Kaltenbeck als ein Theoretiker hoher Klasse und Abstraktionskraft. Anhand des Moore-Automaten denkt er über die Funktion der Hast nach, wobei dem Autor hier wie auch in anderen Beiträgen seines Buches methodisch daran gelegen ist, das epistemische Feld freizulegen, auf dem die Ideen von Lacan und Freud prosperieren konnten. Dies gelingt ihm durchweg sehr gründlich und anschaulich - so etwa auch in Bezug auf die für Freud ab 1895 relevant gewordene Arbeit von Wilhelm Jerusalem über die Urteilsfunktion. In ihr erkennt Kaltenbeck einen Beleg für die philologische Grundstruktur von Freuds Theoriegenese in Richtung Psychoanalyse. So war das Freudsche Urteil im Entwurf einer Psychologie, einem Urtext der Psychoanalyse, »von seinem Ursprung an auf das Herausfallen eines Dinges aus der Sprache gerichtet«. Kaltenbecks Belesenheit erlaubt ihm jederzeit, dem Leser mit Text- und Theorievergleichen entlang zentraler Fragestellungen der Psychoanalyse aufzuwarten. Das Werk Lacans beherrscht er aus dem Effeff, er war mehrere Jahre lang dessen Analysant - eine Episode, der sich der Autor in einem autobiographischen Beitrag widmet. Lesen mit Lacan hilft darüber hinaus beim Lesen von Lacans Schriften, sofern einige Aufsätze die Ideen von Autoren aufgreifen, auf die der französische Psychoanalytik