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Max Weber gehörte zu den bedeutenden Gelehrten der aufbrechenden kulturellen Moderne um 1900. Für viele verkörperte der Jurist, Nationalökonom und Soziologe geradezu den 〉Idealtypus〈 der bürgerlichen Geisteskultur: hochgebildet, leidenschaftlich im Denken, mit großem Ernst, ganz der Sache hingegeben, und durchdrungen von strenger Arbeitsdisziplin. Liebe und Ehe waren für Weber von nachgeordneter Bedeutung, eine Pflicht, der er sich eher widerwillig unterwarf. 1893 heiratete er seine Cousine zweiten Grades, Marianne Schnitger. Schon bald definierten die beiden Ehepartner die Verbindung als »Gefährtenehe«. In der gemeinsamen Lebensplanung, die an der wissenschaftlichen Karriere des Mannes orientiert war, hatten Sexualität und Familiengründung keinen Platz. Unterstützt von seiner Frau konnte sich Weber dem Exzess der Arbeit hingeben. In ihrem »Lebensbild« beschreibt Marianne Weber ihren Mann mit unverhohlenem Stolz als Workaholic, der kein Ausruhen, kein dolce far niente, kannte und das Leben eines Heiligen führte. In seiner Natur lag - auch das kann man dem »Lebensbild« entnehmen - etwas Rauschhaftes, sein Appetit war legendär und ließ sich offenbar nicht stillen, ob es sich nun um Arbeit, Nahrungsmittel, Bücher oder Reisen handelte.
Zunächst lief alles nach Plan: 1894 wurde Weber Professor für Nationalökonomie in Freiburg. In seiner Antrittsrede gab er sich kämpferisch und jugendbewegt: Er spricht von »großen Leidenschaften«, von »harter und klarer Luft« und »nüchterner Arbeit«, die zur Grundlage einer neuen Zeit werden soll. Zwei Jahre später nimmt der zweiunddreißigjährige Weber einen Ruf an die Universität Heidelberg an. Damit hat er eine herausgehobene Position erreicht. Weber versucht sich in Heidelberg zu etablieren, was in der eher auf