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Bereits Mitte der 1980er Jahre hat der in Freiburg im Breisgau praktizierende körperorientierte Psychoanalytiker Tilmann Moser Erzähltexte von Peter Handke, Martin Walser und Christoph Meckel als Krankengeschichten »diagnostiziert« und interpretiert (Romane als Krankengeschichten. Über Handke, Meckel und Martin Walser, Frankfurt/M. ). Knapp 30 Jahre später legt er noch einmal eine Monographie vor, die exemplarisch pathologischen Strukturen in literarischen Texten nachspürt. Die Leiden der HeldInnen haben sich in diesem Zeitraum zwar wenig verändert, »wohl aber die Genauigkeit der Rückführung ihrer »Störungen« auf die inzwischen gründlicher erforschten Bedingungen ihrer Entstehung« (S. 7). Neben klassischen Prosatexten von Wilhelm Genazino, Elfriede Jelinek, Philip Roth, Fred Uhlman und einem Theaterstück von Samuel Beckett wird diesmal mit Feuchtgebiete und Schoßgebete von Charlotte Roche auch zeitgenössische Trivialliteratur auf ihren tiefenpsychologischen Gehalt hin untersucht. Mit seinen Krankengeschichten unternimmt Tilmann Moser den Versuch, »die diagnostische Kompetenz der Psychoanalyse zu bewähren und durch eine tiefenpsychologische Deutung […] [ausgewählter literarischer Texte] zu erweitern« (S. 10). Indem er die HeldInnen respektive AntiheldInnen der untersuchten Werke als (seine) PatientInnen begreift, ermöglicht er den LeserInnen einen neuen Zugang nicht nur zu den Primärtexten, sondern gegebenenfalls - in Form einer »Gegenübertragung« (S. 10) - auch zu sich selbst. Wie lohnenswert und ertragreich eine solche Parallelarbeit von Psychoanalyse und Literatur sein kann, wusste schon Sigmund Freud, der sich neben Sophokles' König Ödipus, Shakespeares Hamlet und E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann vor allem den Arbeiten seines Zeitgenossen Arthur Schnitzler widmete, um psychische Störungen zu diagnostizieren und anschließend bei seinen PatientInnen zu behandeln. Eine ähnliche Erfahrung schildert Moser hinsichtlich seiner »diagnostischen Durchdringung des Romans Die K