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In den letzten Jahren hat das Thema »Gender« in Medizin und Psychotherapie zunehmend Beachtung erfahren. Das als Grundlagenwerk konzipierte Buch von Brigitte Boothe und Anita Riecher-Rössler nimmt sich dieser wichtigen Thematik an und betrachtet den Bereich der Psychotherapie aus frauenspezifischer Sicht.
In mehreren Kapiteln des Buches wird ein psychoanalytischer Zugang gewählt, was sich allein schon aus der Profession vieler AutorInnen ergibt. Aber auch verhaltenstherapeutische, biopsychologische und neurowissenschaftliche Ansätze sowie eine Vielzahl von anderen psychotherapeutischen Richtungen kommen zu Wort.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert: I. Bedeutung der Genderperspektive in der Psychotherapie, II. Psychotherapie für Frauen - Störungsbilder und psychotherapeutische Angebote sowie III. Gute psychotherapeutische Praxis in der Psychotherapie mit Frauen.
Im ersten Teil werden die Lebensbedingungen, die lebenslangen psychischen Herausforderungen von Frauen sowie spezifische Entwicklungsrisiken und Milieugefährdungen in den Blick genommen - etwa Gewalterfahrungen, Schwangerschaft und Geburt. Dass weibliche Identität heute stark von Perfektionsansprüchen geprägt ist (Kap. 2., A. von Wyl), der Übergang zwischen Kindheit und Adoleszenz für Mädchen eine besonders kritische Phase der Entwicklung darstellt (Kap. 4, M. Bolten) und Frauen mit Migrationshintergrund häufig in einem Konflikt zwischen zwei Kulturen und unterschiedlichen Rollenvorstellungen stehen, der wiederum eine Symptomentwicklung begünstigt (Kap. 8, I. Calliess & K. Behrens), sind nur einige der Themen, die hier diskutiert werden.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Geschlechtsspezifik von Störungsbildern und unterschiedlichen psychotherapeutischen Verfahren. Gerade in diesem Teil fällt die unterschiedliche theoretische und praktische Ausrichtung der AutorInnen auf, die mal einen dezidiert psychoanalytischen Zugang, mal einen stärker verhaltenstherapeutischen oder neurobiologischen Zugang wählen, wi