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»School-Shootings tauchten erstmals in den 1970er Jahren auf. Seitdem fanden weltweit mehr als 100 dieser (versuchten) Massaker statt« (S. 104). School-Shootings sind extrem seltene Ereignisse, die aber in den Interaktionen und Phantasien Jugendlicher und Heranwachsender »eine nicht unerhebliche Rolle« (S. 104) spielen - auch nicht in denen furchtsamer Lehrkräfte, möchte man hinzufügen. 2010 hatte der Psychosozial-Verlag mit Benjamin Fausts School-Shooting. Jugendliche Amokläufer zwischen Anpassung und Exklusion eine Annäherung an das Thema vorgelegt, die eher deskriptiv blieb. Gut drei Jahre später erscheint mit dem Band Normalungetüme nun eine psychoanalytisch-sozialpsychologische Perspektivenerweiterung zum Verständnis von School-Shootings.
Schon Faust hatte monokausale Erklärungen wie etwa die von Christian Pfeiffer u.a. betriebene Dämonisierung von »Killer-Computerspielen« als symbolisches Handeln kritisiert. Der jetzt vorgelegte Band geht weit darüber hinaus und will verstehbar machen, wie »sich eine Gewaltfantasie […] zu konkretem Gewalthandeln« entwickeln kann (S. 11), wie »die Kluft zwischen Gedanke und Tat« (S. 11) überwunden wird oder - andersherum und präventiv gedacht - wie es meistens gelingt, dass es dazu nicht kommt (S. 59). Dabei werden Sigmund Freuds frühe Hinweise aus Triebe und Triebschicksale aufgegriffen, dass Pathologie und Normalität nicht Gegensätze sind, sondern es, wie Adorno 1966 formulierte, »Normalungetüme« (S. 282) gibt.
Wut und Hass spielen in jeder individuellen Entwicklung eine gewichtige Rolle, »Haß ist als Relation zum Objekt älter als die Liebe«, befand Freud. So fragen die Autoren des Bandes anhand einzelner School-Shootings, an welchen Stellen Adoleszenten die sozial adäquate Hemmung von destruktiven Gewaltphantasien nicht mehr gelingt, welche Motivationslagen und Weltbilder bei den Tätern vorgelegen haben könnten und wie gesellschaftliche Konstrukte und soziale Bindungssituationen, aber auch die Rahmenbedingungen der Institution