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In der Öffentlichkeit, aber auch in manchen Fachkreisen ist die Auffassung weit verbreitet, die Entwicklung moderner Gesellschaften gehe mit einer Zunahme psychischer Erkrankungen einher. Eine solche Feststellung wird oft mit einer Sozialkritik verbunden, der zufolge die Entwicklung vom keynesianischen Wohlfahrtsstaat zum neoliberalen Kapitalismus für diese Entwicklung mitverantwortlich ist. Im Gegensatz zu dieser Auffassung soll hier gezeigt werden, dass weder psychische Störungen im Allgemeinen noch Depressionen im Besonderen in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben. Die weitgehende Konstanz psychischer Erkrankungen (seit 1980) legt den Schluss nahe, dass die Erkrankungshäufigkeit weit weniger empfindlich auf soziale Veränderungen reagiert als gemeinhin angenommen. Einer Sozialkritik, die sich auf die Behauptung stützt, die Gesellschaft mache in zunehmendem Maße psychisch krank, fehlt somit das Fundament.