You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Welche Wege und Umwege führen zum Beruf des Psychoanalytikers und Psychotherapeuten? Welche Stationen durchläuft jemand, der sich mit dem Gedanken trägt, eine berufliche Entscheidung für eine psychotherapeutische Ausbildung zu treffen, die sein weiteres Leben bestimmen wird? Michael Koenen und Rupert Martin, zwei Kölner Psychoanalytiker, haben sich in ihrer gemeinsamen Promotion dieses Themas angenommen. Gilt die Psychoanalyse, einst wegen ihrer gesellschaftskritischen und emanzipatorischen Kraft idealisiert, mittlerweile als konservativ und elitär? Ist sie von der pragmatischeren, weniger zeitaufwändigen und sich als modern und empirisch bestens erforscht ausgebenden Verhaltenstherapie in eine Ecke gedrängt worden, aus der sie nicht mehr herausfindet? Und haben nicht auch etliche Psychoanalytiker von Rang und Namen ihr attestiert, dass sie einer Glaubensgemeinschaft ähnele, mit rigiden Organisationsstrukturen aufwarte und sich von universitären Wissenschaftskriterien weit entfernt habe?
Der Rückgang der Bewerberzahlen an psychoanalytischen Instituten hat natürlich mit allen diesen Faktoren mehr oder weniger zu tun. Und so kann es nicht ausbleiben, dass die beiden Autoren auch die Bedeutung der Psychoanalyse in der jetzigen Gesellschaft zum Thema machen, den geringen Stellenwert, den analytische Langzeittherapien in der psychotherapeutischen Versorgung einnehmen, und anderes mehr. Wird der Beruf der Psychoanalytikerin und des Psychoanalytikers in einigen Jahren noch eine Chance haben? Studierende der Psychologie und der Medizin erhalten von ihren akademischen Lehrern bezüglich der Psychoanalyse, sofern diese überhaupt noch erwähnt wird, oftmals düstere Prognosen. Nicht nur die drei- oder vierstündige Psychoanalyse, sondern auch die analytische Psychotherapie spiele in der Versorgung der psychisch Kranken so gut wie überhaupt keine Rolle mehr. Sehr viel kürzere Therapien, auf bestimmte Störungsbilder zugeschnitten, oftmals manualisiert und in jedem Fall evidenzbasiert