You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Braucht man nach einem eindrücklichen Film noch ein interpretierendes Buch? Können Worte jemals Bildern standhalten, besonders derart opulenten, sinnlichen, ästhetischen Bildern, wie sie Lars von Trier uns in diesem Film zeigt, noch dazu untermalt von pathetischen Klängen, einschließlich Wagners »Tristan-Akkord«? Oder besteht nicht die Gefahr, die sinnlichaffektive Wirkung des Films durch graue Theorie abzutöten oder zumindest zu verwässern, im Sinne eines »Minus-Containers« (S. 170)? Mit dieser leicht skeptischen Haltung, allerdings gepaart mit Neugier, begann ich, das schmale Bändchen zu lesen. Und stieß auf eine Fundgrube anregender Gedanken, die in der hier gebotenen Kürze zusammenzufassen mir nicht leicht fällt.
Die Beiträge von sieben Psychoanalytikern und einem Filmwissenschaftler, ergänzt um eine Diskussion des Arbeitskreises Filmpsychoanalyse, werden eingerahmt von je einer Einführung und einem Rückblick Zwiebels. Die Beiträge selbst sind in ihrem Charakter ganz unterschiedlich und fügen sich beim Lesen zu einem komplexen, facettenreichen Gesamteindruck mit überaus anregendem Potential. Wie kommt das? Die Herausgeber deuten es schon in ihrem Vorwort an: Es geht um das »Spannungsverhältnis von deutendem Zugriff auf der einen und mitbewegendem Erleben auf der anderen Seite« (S. 6). Je nach Vorliebe der Autoren lassen sich ihre Beiträge näher am einen oder anderen Pol verorten. Wer Zwiebels Arbeiten kennt, weiß, wie fruchtbar sein Arbeitsmodell einer oszillierenden Spannung zwischen entgegengesetzten Polen für die Darstellung der analytischen Situation geworden ist. Und hier zeigt sich, wie fruchtbar sich dieses und andere Modelle auf die Filmpsychoanalyse anwenden lassen. Dabei überzeugt die analytische Haltung als besonders angemessen, um sich dem Film zu nähern und sein kreatives Potential zu entfalten - eine rezeptive Haltung der gleichschwebenden Aufmerksamkeit im Spannungsfeld von Präsenz und Reflexion mit Toleranz für Unwissenheit unter »disziplinierter