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Ein Buch zum Thema »Psychoanalyse als Kulturarbeit« lässt auf den ersten Blick kaum Neues erwarten. Die zeitgemäßen Themen, so scheint es, werden eher in Publikationen zu Katamnesestudien, Neuropsychoanalyse oder klinischen Spezialfällen verhandelt. Die Evidenz des Buches Der Rede Wert ergibt sich demgegenüber aus den Überlegungen des Autors zu Fragen der Auseinandersetzung mit dem Anderen und zum Sprechen in der analytischen Kur. Als ein Buch mit feinem Sinn für die Sprechfunktion operiert es dabei selbst mit dem rhetorischen Mittel der Frage; höchst anschaulich entwickelt Rath seine Themen anhand zahlreicher praktischer Fragestellungen. Die Schlüsselfrage des Buches liest man derweil zwischen den Zeilen: Kann die Qualifizierung der Analyse als Kulturprozess dem Innovationsdruck, der im 21. Jahrhundert auch auf der Psychoanalyse lastet, standhalten?
Zunächst führt Rath die Sprache als jene fundamentale Ordnung an, innerhalb derer sich Kulturprozesse entwickeln; sie liefere und überliefere erprobte Wege des sozialen Ausgleichs und ebenso Wege der Verdrängung und der Symptombildung. Zugleich führe der Weg zum Selbstwissen eines Individuums oder einer Gruppe über das Sprechen bzw. die Sprache: Lacan, den Rath kenntnisreich einsetzt, weist in diesem Sinn auf eine Grundsprache hin, die er la langue nannte, verstanden als ein urvertrauter Weg zum Wissen inmitten