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Ein leiser Anklang an den Titel von Dornes' Buch Die Modernisierung der Seele ist nicht zu überhören. Das anspruchsvolle Vorhaben dieses Buches ist es, zu untersuchen und zu beschreiben, wie sich der soziale und technologische Wandel der Moderne auf die Entwicklungs- und Bildungsprozesse und die innerseelische Strukturbildung auswirken, so die beiden Herausgeber Frank Dammasch und Martin Teising. Hier existieren zwei zentrale Annahmen, die sich kompromisslos gegenüberstehen. Die eine Feststellung lautet: »Die Bedingungen des Aufwachsens haben sich deutlich verändert«. Diese Vermutung wurde zur Quelle einer Fülle von reißerischen Titeln, angefangen vom tyrannischen Kind über die Helikoptereltern bis zur digitalen Demenz. Die andere Annahme wird von den Erkenntnissen von Dornes' Buch Die Modernisierung der Seele bestimmt und lautet: »Noch nie wuchsen Kinder und Jugendliche in Deutschland so sicher, umsorgt, gesund und zufrieden, gebildet und wohlhabend auf wie heute« (Spiewak 2014, S. 15). Dabei sind die »Dramatisierer« zumeist jene, die tatsächlich Umgang mit Kindern pflegen, jene, die »alles nicht so schlimm« sehen, sind mehrheitlich Schreibtischtäter.
Doch kann man fast 800000 ADHS-Diagnosen kleinreden? Sind andererseits alle Kinder und Jugendliche von digitaler Demenz befallen? Das vorliegende Buch, das kann gleich zu Beginn gesagt werden, ist wohltuend sachlich und vermeidet Polarisierungen. In elf Kapiteln werden unterschiedliche Problemfelder analysiert. Dabei lassen sich drei Gruppen erkennen: 1. Kindliche Entwicklung heute im Vergleich zu vergangenen Zeiten (Dammasch, King, Göppel, Hardtmann); 2. Frühe Kindheit in Kinderkrippen und die Folgen (Scheerer, Böhm, Lang-Langer); 3. Typische Zeiterscheinungen (virtuelle Welt, Pornographie, Handy) (Günter, Nikulka, Raue). Raues Untertitel »Triebwünsche ausleben oder Versagung ertragen« charakterisiert gleichsam die wesentlichen Problemfelder.
Allen Autoren eines Sammelbandes im begrenzten Rahmen einer Rezension gerecht