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Wiederauflagen von Büchern, die bei der Erstpublikation als Ausdruck eines bestimmten Zeitgeists wie selbstverständlich von ihm getragen wurden, pflegen manchmal den ranzigen Geruch des Veralteten zu verbreiten; mitunter indes auch den Charme eines liebenswürdigen rencontre: So, als würde man einem alten Freund, einer verflossenen Geliebten wiederbegegnen. Die vom Psychosozial-Verlag neu aufgelegte zweibändige Textsammlung Analytische Sozialpsychologie hat von beidem etwas. Als Helmut Dahmer sie 1980 auf den Markt brachte, stand das Projekt »Analytische Sozialpsychologie« noch für die Hoffnung, eine Kombination sozialwissenschaftlicher und psychoanalytischer Theorieansätze und Methoden könne, präziser als die gängige Sozialforschung, die wesentlichen gesellschaftlichen Entwicklungstrends ausloten. Dies nicht zuletzt im Sinne einer Zukunftsprognose, die sich damals bei vielen mit hohen emanzipatorischen Erwartungen verband. Das Projekt war unverkennbar von politischen Hoffnungen getragen, die zeitgeschichtlich mit dem der Chiffre »68« subsumierten Prozess einer zivilgesellschaftlichen Erneuerungsbewegung verbunden waren. Zum wissenschaftlichen Begleitprogramm dieser Bewegung gehörte der Versuch, Theorietraditionen wiederzubeleben, die durch den Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus »ausgebürgert« worden waren und auch in der Nachkriegszeit keinen Platz im akademischen Kosmos gefunden hatten. Die Psychoanalyse ist dafür das prominenteste Beispiel. In den 1970er Jahren gewann sie erstaunliche Popularität.
Der erste Band eröffnet mit Texten von Psychoanalytikern, die schon früh versuchten, ihre Erkenntnisse sozialpsychologisch und gesellschaftskritisch zu erweitern. Auszüge aus Freuds Massenpsychologie und Ich-Analyse und der religionskritischen Schrift Zukunft einer Illusion zeigen, wie viel dem analytischen Gründungsvater daran gelegen war, seine Wissenschaft nicht auf die Klinik zu beschränken. Freud hatte sich stets vehement dagegen verwahrt, »dass die Psychoana