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R. Dennis Shelby brachte den Umgang mit dem Thema Homosexualität und Psychoanalyse während der letzten 20 Jahren in den USA pointiert zum Ausdruck: Man erholte sich von der Iatrogenese, das heißt von einer »Krankheit«, die nur durch das Behandlungsverfahren entstanden ist, kokettiert mit der Irrelevanz und feiert die Bisexualität (Gelé et al. 2012). Freilich gibt es auch kritischere Stimmen, die auf die nach wie vor vorhandene latente Homophobie verweisen (u.a. Moss 2012; Lewes 2005). Doch in den psychoanalytischen Instituten - zumindest an der Ost- und Westküste der USA - sind lesbische und schwule Analytiker_innen auf allen Ebenen so selbstverständlich geworden, dass es niemandem mehr der Rede wert ist. Und selbstverständlich haben sie Familie und Kinder, was in der psychoanalytischen Szene hierzulande immer noch zu einiger Aufregung führt und im Hinblick auf das Kindeswohl diskutiert wird.
Szenenwechsel: Anfang dieses Jahres berichtete eine deutsche Tageszeitung von der Klage gegen einen Frankfurter Analytiker, dem vorgeworfen wurde, die Homosexualität seines Patienten als Ausdruck einer neurotischen Störung zu behandeln (vgl. taz vom 16.1.2015).1 Vor Gericht einigte man sich auf einen Vergleich. Denn der gerichtlich bestellte Gutachter - auch Psychoanalytiker - erkannte Anzeichen einer Konversionstherapie, die dem Patienten schadete, statt ihm zu helfen, und die man eigentlich hierzulande nicht mehr für möglich gehalten hätte.
Solche Vorkommnisse sind untragbar. Wenn eine Psychoanalyse in Verdacht steht, einem Patienten oder einer Patientin zu schaden, bedarf es genauester Untersuchungen. Dafür haben die psychoanalytischen Fachgesellschaften ethische Grundsätze formuliert und Ethikkommissionen eingerichtet.2 Doch handelt es sich in dem beklagten Fall nicht nur um eine persönliche Verfehlung, die ausschließlich individuell zu behandeln wäre. Denn solche Vorkommnisse erschüttern auch die Glaubwürdigkeit der Psychoanalyse in der Öffentlichkeit. Sie verunsichern poten